Prosperous nicht zu bremsen

Prosperous nicht zu bremsen
Nachschau Gelsenkirchen, 02.11.2019
 
Der Schwede dominiert das »Frei für alle« trotz überschäumenden Temperaments zu Beginn – Broadwell auch beim zweiten Gelsentrab-Start enttäuschend – Jaap van Rijn gewinnt drei Rennen – Michael Nimczyk punktet mit Chapter One und Jacy di Quattro – 66,1:1-Sensation durch Cocobella und Daniel Dotzauer
 
(GelsentrabPR) – Der Termin für den ersten November-Renntag am Samstagabend war ungewöhnlich, den Ton im GelsenTrabPark gaben dennoch die »üblichen Verdächtigen« an. Hollands Shootingstar Jaap van Rijn bestätigte seine Topform vom vergangenen Sonntag und entschied gleich drei der zehn Prüfungen für sich. Deutschlands Champion Michael Nimczyk durfte mit seiner Ausbeute ebenfalls zufrieden sein, doch es gab auch eine Riesen-Überraschung durch einen Underdog.
 
Von wegen phlegmatisch
 
Im Mittelpunkt des Interesses lag das mit 5.000 Euro dotierte »Frei für alle«, in dem man gemeinhin auf ein packendes Duell zwischen zwei starken Fünfjährigen gehofft hatte, das am Ende jedoch nicht zustande kam. 2:1-Totofavorit Broadwell (Erwin Bot) fand beim zweiten Gelsentrab-Auftritt erneut nicht die passende Einstellung zum Wettkampf und endete wieder als chancenloser Dritter. Damit war der Weg frei für Henk Grifts neuen Schützling Prosperous, den Jaap van Rijn sechs Tage zuvor siegreich in Gelsenkirchen vorgestellt hatte und ihm anschließend gute Klasse sowie ein gesundes Phlegma bescheinigte.
 
Letzteres hatte der Vierte des »Großen Preis von Deutschland 2018« dieses Mal ganz offensichtlich im Stall gelassen und legte von Position sechs hinter dem Startwagen los wie die Feuerwehr. Ein fulminanter Antritt katapultierte den in Schweden geborenen Rappen sofort an die Spitze des achtköpfigen Feldes, wo er zunächst überhaupt nicht zu bändigen war und mit einer ersten Zwischenzeit von 1:11,1 für einige Sorgenfalten auf den Stirnen seiner Anhänger sorgte. Erst auf den zweiten 500 Metern gelang es Jaap van Rijn im »Tauziehen« mit seinem vierbeinigen Partner irgendwie zumindest ein Stück weit die Kontrolle zu gewinnen, hatte bei 1:21er-Tempo aber nach wie vor alle Hände voll zu tun und hegte mit langen Armen in der Waagerechten sicher selbst Zweifel an seinen Chancen.
 
Derweil wartete Erwin Bot hinter dem letztlich fünftplatzierten Helios (Michael Nimczyk) mit Broadwell in aller Seelenruhe auf seine Gelegenheit, dirigierte den Braunen erst nach zwei Runden zaghaft in die Außenspur, um sich im Schlussbogen nochmals hinter dem Piloten einzuordnen. Was dann folgte war nach dem geschilderten Verlauf eine Überraschung. Während Prosperous in Front munter weitermarschierte, als hätte es den Höllenritt zu Beginn gar nicht gegeben, geriet sein Verfolger noch deutlich vor Erreichen der Zielgeraden erkennbar in Schwierigkeiten und musste abreißen lassen. Bis zum Zielstrich vergrößerte sich der Abstand zwischen den beiden Gespannen gar noch auf vier volle Längen und der enttäuschende Broadwell musste nach 2.600 Metern auch noch den speedstarken Gustavson Be (Victor Gentz) eindeutig vor sich anerkennen.
 
Zwei weitere Volltreffer für Jaap van Rijn
 
Während Jaap van Rijn die Nase bei seinem wichtigsten Erfolg letztlich also klar vorne hatte, musste er bei seinen beiden Volltreffern zuvor schon alle Register ziehen, um die Konkurrenz in Schach zu halten. Überraschend war dies insbesondere im Fall von Errakis, der mit fünf Volltreffern in Serie an den Nienhausen Busch gereist war, im »Preis von Moulins« (4.500 Euro / 2.000 Meter) in der Entscheidung jedoch einige Mühe hatte, auf den Beinen zu bleiben und am Ende nur einen Hals-Vorsprung vor Flyer de Brikvil (Reinier Feelders) erstritt. Noch enger ging es beim ersten Saisonsieg von High Speed zu. Nach einem gewohnt umsichtigen Vortrag von van Rijn kam der Pfosten für den Abano As-Sohn gerade noch rechtzeitig, um einen kurzen Kopf gegen den heranstürmenden Geordie (Berry Schwarz) zu retten.
 
Überraschend starkes Comeback
 
Ähnlich dramatisch verlief das Finale im »Preis von Vichy« (4.500 Euro / 2.000 Meter), in dem Michael Nimczyk den »Derby«-Vierten des letzten Jahres, Chapter One, nach über einem Jahr ohne Wettkampf wieder vorstellte und von dessen Leistung im Nachhinein selbst überrascht war. Der »Goldhelm« servierte dem von Vater Wolfgang trainierten Wallach beim Comeback ein Maßrennen im Windschatten von Everest Vedaquais (Jaap van Rijn) und legte damit den Grundstein für den Erfolg. In einer Speedankunft hatte Chapter One so die größten Reserven, konnte seinem Führpferd bis zur Linie zusetzen und gewann ganz zum Schluss knapp die Oberhand.
 
Mitbesitzer Hans Brocker hatte sich vorher bereits über den Sieg seiner dreijährigen Stute Jacy di Quattro freuen können. Neffe Michael Nimczyk hatte bei seinem ersten Engagement nach einwöchigem Schwarzwald-Urlaub erwartungsgemäß keine Mühe, die Debütantin gegen nicht allzu starke Konkurrenz sofort zum Sieg zu führen. Die Ganymede-Tochter gewann überlegen vor Eddy Constantin (Jan Thirring) und dem Außenseiter Django Lobell (Johannes Gerrits).
 
Beim 39. Mal endlich vorne
 
Apropos Außenseiter: Wie eingangs erwähnt gab es an diesem Samstagabend auch eine Riesen-Überraschung zu verzeichnen. Nach 38 vergeblichen Anläufen zeigte Leo Beckmanns Cocobella plötzlich ungeahnte Qualitäten und beherrschte die Konkurrenz in der »Wettstar-November-Challenge« für Amateurfahrer. Im Sulky der Stute saß Daniel Dotzauer, für den die 66,1:1-Sensation der zweite Volltreffer der bis dato 73 Engagements umfassenden Karriere war. Die V6-Wette wurde mit diesem Paukenschlag im letzten Rennen nicht getroffen, sodass vermutlich schon beim nächsten Renntag am 10. November ein Jackpot zur Ausspielung kommen wird.