»St. Leger«: Gladiateur peilt die zweite »Krone« an

»St. Leger«: Gladiateur peilt die zweite »Krone« an
Nachschau Gelsenkirchen, 08.09.2019

Der Hengst dominiert den Klassiker von der Spitze aus – Juan Les Pins sprintet auf Rang zwei vor Otero – Jersey Muscles sorgt im »Kleinen St. Leger« für eine kleine Sensation – Free Bird im »Frei für alle« disqualifiziert – Khalid gewinnt überlegen
 
(GelsentrabPR) – Nächster Erfolg für Michael Nimczyk. Der alte und bereits jetzt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit neue Champion der Berufstrabrennfahrer holte sich am Sonntag sein drittes »St. Leger«. Nach Garant (2010) und Emilion im letzten Jahr führte der Rheinländer dieses Mal den Mitfavoriten Gladiateur in den Gelsenkirchener Winner Circle.
 
Von der Spitze aus dominiert
 
Nachdem der Derby-Dritte, Rancoon, ebenso kurzfristig mit Attest aus dem ohnehin nur siebenköpfigen Teilnehmerfeld gestrichen worden war wie Außenseiter Make me happy P, ergriff der »Goldhelm« zu Beginn sofort die Initiative und jagte Schnellstarter Orkan von Haithabu (Roland Hülskath) im ersten Bogen das Kommando ab. Damit hatte Gladiateur den schwierigsten Teil der Partie bereits hinter sich gebracht, denn Attacken blieben bei der hohen Gefahr, den Rest des langen Weges von insgesamt 2.600 Metern in der sogenannten »Todesspur« außen ohne Führpferd absolvieren zu müssen, zunächst aus. Erst nach rund 1.500 gelaufenen Metern fasste sich der 19:10-Favorit Otero (Josef Franzl) ein Herz und löste die Gänsemarsch-Formation bei moderatem Tempo auf, mit der Folge im Schlussbogen etliche Meter mehr zurücklegen zu müssen.
 
Wie bereits im Derby-Vorlauf Anfang August in Berlin fand der Lasbeker daran überhaupt keinen Gefallen. Spätestens 150 Meter vor dem Zielpfosten musste er die Übermacht des im Derby-Trostlauf noch hinter ihm angekommenen Kontrahenten anerkennen und verlor ganz zum Schluss auch noch das zweite Geld an den von ganz hinten viel zu spät auf Touren kommenden Juan Les Pins (Thomas Panschow). Völlig unbeeindruckt davon stiefelte Gladiateur klar voraus zu seinem dritten Karriere-Sieg, wobei er den vor zwölf Monaten von Stallnachbar Emilion aufgestellten Rennrekord von 1:14,0 weit verfehlte. Nach der Bummelfahrt auf dem zweiten und teilweise auch auf dem dritten Teilstück blieb die Uhr für den Bird Parker-Sohn bei 1:15,1 stehen.
 
Dem bayerischen Besitzer-Duo Robert Gramüller und Johann Holzapfel dürfte es egal gewesen sein. Ihr um 10.000 Euro reicherer Hengst gilt nun in zwei Wochen als einer der ersten Anwärter auf die begehrte Züchterkrone, die nach seinem »Breeders Crown«-Erfolg als Youngster bereits seine zweite wäre. Außerdem war der »St. Leger«-Erfolg von Gladiateur ein kleines Trostpflaster für den ernüchternden ersten Auslandsstart des Stallgefährten River Flow. Der möglicherweise etwas unglückliche Derby-Vierte war am Samstag in Paris-Vincennes als Siebter ohne Chane gewesen.
 
Die lachende Dritte
 
Neben dem Hauptereignis wurde bei Gelsentrab am Sonntag anstelle einer Stutenabteilung auch ein »Kleines St. Leger« angeboten, das mit 10.000 Euro immerhin die Hälfte der Dotation erreichte, letztlich aber auch nur fünf Starter aufweisen konnte.
 
Gerechnet hatten die Experten gemeinhin mit einem Duell der beiden »Männer« im Feld, Jaxon Schermer (Michael Nimczyk) und Jaxon VS (Kurt Roeges), in dem der Erstgenannte die besseren Karten in der Hand hält. Doch es kam anders, denn die beiden Jaxons entschlossen sich 1.000 Meter vor dem Ziel für ein Privatduell, in dem der Herausforderer dem von Beginn an führenden Favoriten mächtig Druck machte, und schauten schlussendlich beide in die Röhre. Denn während ihnen die Beine auf der Zielgeraden mit jedem Meter schwerer wurden, drehte die krasse Außenseiterin Jersey Muscles (Thomas Panschow) nochmals auf und sammelte die schwer angezählten Kontrahenten mit einem feinen Schlusseinsatz an der Innenkante noch souverän ein. 1:16,3 / 2.600 Meter reichten der Mollema-Stute am Pfosten für den ersten Volltreffer der noch jungen Laufbahn vor den verdutzten Jaxon Schermer und Jaxon VS.
 
Free Bird »hebt ab«
 
Eine weitere empfindliche Niederlage kassierte Michael Nimczyk, der nach dreizehn Prüfungen ebenso wie Jan Thijs de Jong und Jochen Holzschuh mit zwei Siegen nach Hause fuhr, im »Frei für alle« mit Free Bird. Der überraschende Gewinner der »Derby-Revanche 2018« kam im Schlussbogen hinter dem in guter Haltung führenden – und letztlich überlegen auftrumpfenden – Khalid (Roland Hülskath) unvermittelt von den Beinen und musste von der Rennleitung disqualifiziert werden.