Cynthia Lüdicke lässt es krachen

Cynthia Lüdicke lässt es krachen
Nachschau Berlin-Mariendorf, 04.11.2018

Wennschon, dennschon: Die 24-jährige Sportlerin feiert mit dem Riesenaußenseiter Iron Steel den ersten Fahrersieg ihrer Karriere. Und zwar mit einem fabelhaften Saisonrekord!    

Der VDT – Deutschlands älteste Züchter- und Besitzervereinigung – hatte zu seinem alljährlichen Renntag geladen und traditionsgemäß standen dabei nicht nur die Profis, sondern auch die Hobbyfahrer im Mittelpunkt. Mehrere der insgesamt zehn Mariendorfer Prüfungen wurden aus Vereinsmitteln zusätzlich aufgestockt. So auch der Amateur-Pokal des VDT, der zur Beute von Ronja Wohler und Francesco wurde. Auf dem ersten Kilometer der langen 2.500-Meter-Strecke ging es recht turbulent zu und mit kühlem Kopf verschaffte die Amazone ihrem Schützling eine vorzügliche Ausgangslage. Denn Francesco lag an vierter Stelle außen, als es in die Entscheidung ging. Diese Chance ließ sich das Gespann nicht nehmen und zog im Einlauf souverän an die Spitze. Lediglich Nemo (Michael Hamann) kämpfte sich bis auf eine halbe Länge an den Sieger heran.

Das zweite Amateurfahren des Nachmittags wurde von einem Pferd gewonnen, das derzeit in der Form seines Lebens läuft: Locarno siegte bereits zum sechsten Mal hintereinander. Diesmal trommelte der von Michael Larsen trainierte Wallach die rasante Zeit von 14,2/1.900m auf das Parkett und sein Fahrer André Pögel war wohl selber überrascht, wie leicht dem 11:10-Topfavoriten der Erfolg gemacht wurde. Denn der Rennverlauf war zunächst nicht optimal. Locarno blieb eher ungewollt in der Todesspur hängen, konnte dann aber auf der Tribünengeraden die Spitze übernehmen, ohne auf allzu viel Gegenwehr zu treffen. Der Rest war nur noch eine Formsache und ein Ende von Locarnos Serie ist vorerst nicht in Sicht.  

Für den absoluten Knaller der Veranstaltung sorgte aber eine junge Frau, die den Rennsport zu ihrem Wunschberuf gemacht hat: die in Zossen beheimatete Cynthia Lüdicke. Erst sechs Fahrten hatte die 24-Jährige zuvor bestritten – die siebte wurde zu einer Sensation! Denn auf der Meilendistanz hatten diesmal weder der von Michael Larsen gesteuerte Topfavorit Prince of Persia (13:10) noch der ebenfalls hocheingeschätzte Rainbow Diamant (Heinz Wewering / 25:10) irgendetwas zu melden. Sondern die Brandenburgerin gestaltete das Ganze zu ihrer persönlichen One-Woman-Show! Mit einer gehörigen Portion Courage verschaffte Cynthia Lüdicke Iron Steel sofort die Spitzenposition – und das war es auch schon. Denn so sehr sich die Gegnerschaft auch mühte – vor den verblüfften Augen des Publikums wurden die Schritte von Iron Steel immer länger. Der neunjährige Wallach rannte in unglaublichen 1:11,6 min. nicht nur zu einer persönlichen Karrierebestmarke, sondern auch zum neuen Mariendorfer Saisonrekord. Hinter dem 223:10-Außenseiter belegten der bei 555:10 gehandelte Run For The Roses (Kornelius Kluth) und Vulkan (Daniel Wagner) die weiteren Plätze. Die Dreierwette zahlte 25.484:10 aus.      

Für Iron Steels Trainer Victor Gentz verlief der Nachmittag ohnehin optimal. Er selber steuerte Duglas zu einem imponierenden Erfolg. Der Fuchswallach hat sich in den zurückliegenden Wochen mächtig gemausert – sein Triumph in 14,8/1.900m verdient ein dickes Ausrufezeichen. Der Vierjährige stürmte im ersten Bogen in Front. Der Rest war eine glasklare Angelegenheit, denn die Konkurrenten kamen noch nicht einmal ansatzweise an den mit sechs Längen Vorsprung auftrumpfenden Quick-Wood-Sohn heran. Und in der Gewinnsummenklasse bis 25.000 Euro gelang dem Team Gentz sogar ein Doppelerfolg, wobei der „Mann in Grün“ mit dem diesmal von vorne eingesetzten Falco gegen Lea Ahokas und Harley As in einem spannenden Finish knapp den Kürzeren zog. Seine Teamkollegin harmonierte mit Harley As einmal mehr perfekt und setzte den groß gewachsenen Fuchs von der Innenkante aus ein. Mit dieser Taktik traf Lea Ahokas, die zweifellos ein feines Händchen besitzt, genau ins Schwarze. Es ist erstaunlich, wie problemlos sie mit dem nicht ganz einfachen Traber zurechtkommt. 

„Auch wenn es zwischendurch mal nicht so gut läuft, ist sie plötzlich wieder da – man sollte immer mit ihr rechnen!“, hatte Heiner Christiansen im Vorab-Interview über Escada gesagt und lag mit dieser Einschätzung goldrichtig. Denn die Stute ließ unmittelbar im Anschluss eine Klasseleistung folgen und triumphierte in 15,0/1.900m Start bis Ziel. So richtig überraschend war eigentlich nur die Quote der Fünfjährigen, die für die Farben von Dieter Abel läuft. Obwohl die Braune am Breeders-Crown-Wochenende mit ihrem Sieg in einer Entlastung eindrucksvoll bewiesen hatte, was in ihr steckt, wurde sie mit 127:10 am Toto geradezu sträflich unterschätzt. Auch die von Pawel Ostrycharz gesteuerte Dogma TF rangierte mit 131:10 am Wettmarkt deutlich unter Wert, denn die Stute war im Rennprogramm an zweiter Stelle getippt. Die Prüfung war allerdings ziemlich schwer auszurechnen. Dogma TF übernahm nach einer halben Runde die Führung und gewann mit acht Längen Vorsprung.      
    

Seinem Stellenwert einmal mehr gerecht wurde Howard T, in dessen Sulky wie bei den vorherigen Erfolgen Heinz Wewering saß. Der Seriensieger ging auf der Tribünengeraden nach vorne und gewann mit unantastbarer Autorität. Kornelius Kluth führte Woodbrown Beauty auf die Ehrenrunde. Die Stute blieb auch beim zweiten Start ihrer Laufbahn ungeschlagen und steigerte sich auf 16,1/1.900m. Sie übernahm sofort an die Führung und verabschiedete sich nach unterwegs recht ruhigem Tempo auf der Schlusshalben überlegen vom Feld. Alexander Kelm punktete mit Centanary, nachdem er der Dreijährigen einen Traumverlauf verschafft hatte. Die Ganymede-Tochter war zu Beginn der Tribünengeraden kurz an der Spitze auszumachen, doch ihr Fahrer überließ dann einem Gegner das Kommando. Auf der Zielgeraden kam Centanary problemlos von der Innenkante weg.      

Gesamtumsatz: 131.019,31 Euro – Bahnumsatz: 41.533,60 Euro – Außenumsatz: 89.485,71 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 18. November statt. Beginn ist um 13.30 Uhr.