Nimczyk-Festspiele mit »St. Leger«-Triumph

Nimczyk-Festspiele mit »St. Leger«-Triumph
Nachschau Gelsenkirchen, 09.09.2018

Acht Erfolge für das Nimczyk-Quartier – Michael steuert sechs Sieger – Emilion gewinnt »St. Leger« in Rennrekord-Zeit – »Stutenderby«-Siegerin Avalon Mists bei den »Ladies« vorne – »Winterfavoriten-Trial« geht an Jackpot of Steel – Saisonrekord fällt beim Comeback von Halva von Haithabu


(GelsentrabPR) – Das gelingt selbst dem Primus unter Deutschlands Sulkyprofis nur äußerst selten. Michael Nimczyk fuhr am Sonntag bei der Veranstaltung im GelsenTrabPark nicht weniger als sechs Mal zur Siegerehrung vor und holte sich damit gleich die Hälfte des Programms. Der wichtigste Volltreffer gelang ihm dabei mit Emilion im Hauptereignis, dem mit 20.000 Euro dotierten »St. Leger«-Lauf für die dreijährigen Hengste und Wallache.


»St. Leger« als Höhepunkt eines Glanztages

Das Gespann war trotzt seiner zahlreichen Ausfälle bei den letzten Engagements als 22:10-Favorit an den Ablauf gegangen, was wohl nicht nur auf die läuferischen Qualitäten von Emilion zurückzuführen ist. Der imposante Braune hatte seine Vorliebe für den Kurs in Gelsenkirchen bereits zweimal unter Beweis gestellt und seine bis dato einzigen Siege hier verbucht. Außerdem sprachen in Abwesenheit der drei Bestplatzierten aus dem »Deutschen Traber-Derby« die Startnummer ganz außen und die traditionell lange Distanz von 2.600 Metern für den Mommert-Traber.
 
Unter diesen Voraussetzungen konnte es Michael Nimczyk mit seinem startschwachen Partner zunächst ruhig angehen lassen und gelassen beobachten, wie sich die zweite Farbe seines Stalls, Chapter One (Michael Larsen), im ersten Bogen die Führung sicherte, um diese vor Erreichen des zweiten Bogens an den Mitfavoriten Crazy and Quick (Dion Tesselaar) abzutreten. Erst jetzt begann Emilion seinen Vormarsch und rückte nach einer Runde zum Piloten vor, ohne ihm die Spitzenposition ernsthaft streitig machen zu wollen. Vielmehr stiefelte der Sam Bourbon-Sohn in der so genannten »Todesspur« stets munter voran und hielt den Druck damit permanent hoch. Crazy and Quick machte jedoch nicht den Eindruck, als könne er an diesem Tag nicht gegenhalten, bis er im Schlussbogen dann plötzlich doch von den Beinen geriet und disqualifiziert wurde.

Die zu diesem Zeitpunkt unverhoffte Führung nahm Emilion dankend an, schaltete nach durchweg flottem Tempo auf der Zielgeraden noch einen Gang höher und hielt den beim ersten Auftritt für die Gerrits Recycling Group nicht unerwartet stark agierenden City Guide (Robin Bakker) sicher auf Distanz. Die Uhren blieben am Ende bei hervorragenden 1:14,0 stehen, womit der Hengst den von Oscar Schindler Sl in 2001 aufgestellten und anschließend mehrfach eingestellten Rennrekord regelrecht atomisierte. Klar zurück hatte Chapter One für den dritten Rang keine Konkurrenz und machte den Dreifach-Erfolg für die französische Züchter-Ikone Jean-Pierre Dubois perfekt.


Dreimal Grund zum Jubeln hatte an diesem Tag auch Hans Brocker. Der Onkel von Michael Nimczyk ist bekanntlich Besitzer des gutklassigen Vierjährigen, Mister Ed Heldia, mit dem der »Goldhelm« ebenso wenig anzutasten war wie mit Free Bird und Idol. Den Nimczyk-Tag perfekt machte Thomas Maassen, der Night Star Sam und Houdini Newport in den beiden Amateurfahren als Erste über die Linie lenkte und das Erfolgskonto des Willicher Quartiers damit auf unglaubliche acht Siege erhöhte.


Jahrgangs-Königin muss ihre Karten aufdecken

Das gute Traber auch von anderswo nach Gelsenkirchen kommen ist allerdings kein Geheimnis und bestätigte sich im »St. Leger« für die Stuten, in dem es über die selbe Distanz erneut keinen Deut weniger zu verdienen gab als bei den »Jungs«. Begleitet vom uneingeschränkten Vertrauen der Wetter ging »Stutenderby«-Siegerin Avalon Mists hier als 12:10-Topfavoritin auf die Reise und setzte sich schon in der Mitte der ersten Biegung vor das Feld. Mit Top-Herausforderin Isabella Boshoeve (Dion Tesselaar) im Schlepptau durfte die Pastor Stephen-Tochter aus dem niederländischen Erfolgsquartier von Paul Hagoort in der Folge nach Belieben schalten und walten, was sie dazu nutzte, die Fahrt ganz erheblich zu drosseln, um ausreichende Reserven für die erwartete Auseinandersetzung mit ihrer Verfolgerin zu bewahren.
 
Diese waren dann in der Entscheidung auch tatsächlich nötig, denn Isabella Boshoeve wurde mit jedem Schritt schneller und brachte nicht nur Robin Bakker im Sulky von Avalon Mists nochmals ins Schwitzen. Bei 1:10er-Tempo für den letzten Abschnitt verlangte die kleine Schwarzbraune der Jahrgangs-Königin bis zur Linie alles ab, ohne sie jedoch vom Thron stoßen zu können. Volle neun Längen hinter dem in 1:16,0 über die Linie laufenden Duo überraschte die 673:10-Außenseiterin Natty (Gerhard Steinhaus) als Dritte, nachdem Laura Vici (Michael Nimczyk) sich zu Beginn des Zieleinlaufs als drittes Pferd an der Innenkante um alle Chancen gesprungen hatte.

»Jackpot« zeigt Talent

Neben den beiden »St. Leger«-Entscheidungen galt die besondere Aufmerksamkeit der Traberfans am Nienhausen Busch insbesondere der fünften Tagesprüfung, dem ersten Trial zum »Preis des Winterfavoriten« (7.600 Euro / 2.000 Meter).
 
Sieben zweijährige Pferde stellten sich hier größtenteils zum ersten Mal im Wettkampf vor und gaben Kostproben ihrer Leistungsfähigkeit. Das größte Potenzial ließ dabei der Ready Cash-Sohn Jackpot of Steel erkennen. Dion Tesselaar beorderte seinen Schützling mit der »6« sofort an die Spitze des Feldes, dominierte dort fortan zu jedem Zeitpunkt das Geschehen und musste letztendlich längst nicht alle Karten aufdecken, um den noch bis auf eine halbe Länge heranlaufenden Orkan von Haithabu (Heinz Wewering) in Schach zu halten. 16:10-Favorit Ribot (Robin Bakker) blieb hingegen unter den Erwartungen und endete als Dritter schon weit zurück.

Comeback mit Saisonrekord

Ein höchst beeindruckendes Comeback gab es im Rahmen der Jahrgangs-Prüfungen zu bestaunen. Nach mehr als zehn Monaten Pause meldete sich Halva von Haithabu in den Rennbetrieb zurück und stellte gleich mal einen neuen Gelsenkirchener Saisonrekord auf. In der Hand des allenfalls noch sporadisch in den Rennsulky steigenden Altmeisters Gerhard Holtermann gewann der Sechsjährige in erstklassigen 1:13,1 / 2.000 Meter ohne Mühe vor dem speedigen Muscle Boy AS (Gerhard Mayr) und dem außen herum bemühten Cash Hanover (Michael Nimczyk) und unterbot die alte Bestmarke von Orlando Jet (1:13,5) aus dem »Bild-Pokal« damit deutlich. Geht der Titelverteidiger mit der selben Einstellung in die »Breeders Crown« in knapp zwei Wochen, werden sich die Gegner warm anziehen müssen.