„Flotte Lotte“ besser denn je

„Flotte Lotte“ besser denn je
Nachschau Berlin-Mariendorf, 01.07.2018

Renntag der Überraschungen: Charlotte Newport bezwingt den Topfavoriten Portland. Khalid sorgt für einen 530:10-Knaller. Very Impressive S beeindruckt.     

Berlin, 1. Juli 2018.
 

Es warein Renntag, der esin sich hatte: Am Sontag wurden gleich vier hochdotierte Prüfungen auf der Derby-Bahn ausgetragen und mit dem Schweden Björn Goop ging obendrein einer der besten Fahrer der Welt an den Start. Was für taktische Geniestreiche „The Goop“ im Sulky zu leisten vermag, bewies der 41-Jährige auf Anhieb, denn gleich sein erster Auftritt an diesem Tag mündete mit dem Hengst Standbyme (17:10) in einen Sieg. Das für die Gewinnsummenklasse bis 4.500 Euro ausgeschriebene Rennen gehörte zwar nur zum Rahmenprogramm – das Ergebnis war aber dennoch eine klare Empfehlung für die geplante Teilnahme des Jauß-Trabers an den Derby-Vorläufen. Als Björn Goop die von der Pilotin Lady Star Bo (Michael Nimczyk) vorgelegte Pace im trotto.de-Bogen deutlich zu langsam wurde, beorderte der Amérique-Triumphator seinen Schützling sofort in die zweite Spur. Mitte der Zielgeraden war die Gegnerin gestellt und als Lady Star Bo genau in dieser Phase ansprang, war der Erfolg für Standbyme endgültig in trockenen Tüchern.

Auch im KRAFFT Muscle Up - Rennen um 12.000 Euro Preisgeld galt Björn Goop als Topfavorit. Doch mit dem bei 13:10 notierten Portland, der zwanzig Meter Zulage zu verdauen hatte, sprang nur das zweite Geld heraus. Das lag zum einen sicherlich an der Tatsache, dass der Vierjährige beim Bänderstart nur recht gemächlich auf Touren kam, zum anderen aber auch an einer großartig aufgelegten Charlotte Newport. Die von Michael Nimczyk präsentierte Stutenderby-Zweite aus dem Besitz von Ulrich Mommert scheint nun wieder hundertprozentig da zu sein und es ist keine Frage: Die mit einer Quote von 154:10 deutlich unterschätzte „Flotte Lotte“ steht vor einer großartigen Zukunft! Die von Thomas Holtermann trainierte Abano-As-Tochter traf im Gegensatz zu Portland allerdings auch einen perfekten Verlauf an. Denn während sich der Favorit das Rennen in der Außenspur selber gestalten musste, konnte sich Charlotte Newport zu Beginn der Gegenseite in dessen Windschatten begeben und war im Einlauf in 15,3/2.000m schnell an dem Kontrahenten vorbei. Den dritten Rang ergatterte der strikt innen gehaltene Glaedar (Jörgen Sjunnesson).  

Zuvor hatte Michael Nimczyk bereits zwei weitere Pferde auf die Ehrenrunde geführt. Der Goldhelm punktete mit der bärenstarken Brétigny, deren Sieg nach ihrem vorherigen spektakulären 14,8-Auftritt die geradezu logische Konsequenz war. Nimczyk ließ die pfeilschnelle Stute gleich im ersten Bogen richtig treten und nachdem sie die Führung übernommen hatte, war der Rest für Karin Walter-Mommerts Derby-Aspirantin nur noch eine reine Formsache. Auch mit Marion Jauß‘ Fast and Furious fuhr  der bundesdeutsche Champion als Sieger über die Ziellinie. Auf dem langen 2.500-Meter-Kanten sicherte sich Nimczyk zunächst die Führung, ließ dann den knapp favorisierten Get Lucky (Rudolf Haller) vorbei und drehte den Spieß mit Fast and Furious im Einlauf wieder um. 

Einen absoluten Paukenschlag gab es in dem mit 10.000 Euro dotierten Lauf zum Super Trot Cup. Denn obwohl er zweifellos ein erstklassiges Pferd ist, hatte mit dem 530:10-Riesenaußenseiter Khalid wirklich niemand gerechnet – noch nicht einmal sein Fahrer Thorsten Tietz. Doch Khalids Trainer Gerhard Steinhaus hatte seinen Rappen auf den Punkt genau in Topform und der Fünfjährige profitierte außerdem von einem geradezu traumhaften Verlauf. Zunächst nur als Sechster positioniert, wechselte Tietz mit dem Traber genau im richtigen Moment in die Außenspur und fand ab dem trotto.de-Bogen mit dem am Ende drittplatzierten Apache Jeloca (Jaap van Rijn) die ideale Zugmaschine. Im Sog des Gegners kam Khalid immer dichter an die Spitze heran und als Tietz mit Erreichen der Zielgeraden den finalen Angriff startete, flog Khalid in der Tagesbestzeit von 13,3/1.900m schnell wie ein Pfeil an dem führenden Rainbow Diamant (Heinz Wewering) vorbei. Am Zielpfosten trennten Khalid ganze vier Längen von dem Seriensieger, der sich aber ebenfalls die Eintrittskarte für das am 5. August stattfindende Finale des Super Trot Cups sicherte. Dort werden stolze 70.000 Euro Preisgeld verteilt.     

Tietz landete noch einen weiteren großen Coup. In der UllrichEquine-Rennserie ging es wie stets um 6.000 Euro Preisgeld. In dem recht ausgeglichenen Starterfeld war sein für die Farben von Herbert Tuscher laufender Schützling  Gri Maximus bei einer Quote von 43:10 erstaunlicherweise nur an dritter Stelle notiert. Und Mitte der Zielgeraden sah es für einen Moment tatsächlich auch so aus, als müsste sich der aus dem ersten Bogen heraus in Front gezogene Wallach dem Druck des Angreifers Lille Alfred (Michael Nimczyk) beugen. Doch Gri Maximus kämpfte sich in dem bereits verloren geglaubten Duell in 15,0/1.900m mit tollem Einsatz zurück und erarbeitete sich bis zur Linie noch eine halbe Länge Vorsprung auf seinen Widersacher. Damit war für Tietz aber noch längst nicht Schluss, denn wenig später gelang dem Profi mit New Dawn, der gegen die erfahrenen älteren Pferde auf das Schlussrunde das Tempo bestimmte und in 13,6/1.900m den vergeblich attackierenden Kelso (Christian Lindhardt) abwehrte, sein dritter Tagestreffer.. 

Eine deftige Überraschung gab es in dem mit 8.000 Euro dotierten Buddenbrock-Trial, denn das wettende Publikum hielt den 11:10-Topfavoriten Chapter One (Michael Nimczyk) für nahezu unverlierbar. Der Wallach schoss auch rasch nach vorne. Vor den Tribünen ließ der Goldhelm den mit 36:10 als einziges weiteres Pferd zweistellig gehandelten Very Impressive S mit seinem Trainer Cees Kamminga vorbei. In dieser Phase schien für Chapter One noch alles nach Plan zu verlaufen. Doch als der nach wie vor immer noch sehr gegen Dreck empfindliche Topfavorit  zu Beginn der Gegenseite von den Beinen kam, ging ein Aufschrei durch das Publikum und die Sensation war perfekt. Very Impressive S stiefelte in 14,4/1.900m völlig überlegen nachhause. Der Ehrenrang ging sechs Längen zurück an Kantadou (Tim Schwarma), der sich eine halbe Runde vor dem Ziel entscheidend verbessert hatte, aber auf den letzten Metern durch den tapferen Joe Cocker (Victor Gentz) noch ernsthaft in Bedrängnis geriet.          

Ein dickes Ausrufezeichen setzte außerdem die ebenfalls für das Derby genannte Iris F Boko, die mit ihrem Trainer Robbin Bot eine Runde vor dem Ziel nach vorne gezogen war und in 15,8/1.900m – zur Siegquote von 187:10 völlig unterschätzt – mit feiner Moral auftrumpfte. Die einzige Amateurprüfung der Veranstaltung wurde eine Beute von André Pögel und Perfect Hall, die auf der Tribünengeraden das Kommando übernommen hatten und die Aufgabe als 15:10-Favoriten souverän erledigten. Für das gemeinsam noch ungeschlagene Dreamteam war es der vierte Volltreffer hintereinander. 

Gesamtumsatz: 145.947,68 Euro – Bahnumsatz: 51.121,80 Euro – Außenumsatz: 94.825,88 Euro. 

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 8. Juli statt. Beginn ist um 13.30 Uhr. Im sportlichen Mittelpunkt stehen die beiden mit jeweils 20.000 Euro Preisgeld dotierten Läufe zum Buddenbrock-Rennen 2018. Starterangabe für diesen Renntag ist am Montag, dem 2. Juli. Sie erreichen das Mariendorfer Rennsekretariat unter der Rufnummer 030-7401229 bzw. per Mail an starterangabe@berlintrab.de.