New Dawn wie ein Champion, Desert King königlich

New Dawn wie ein Champion, Desert King königlich
Nachschau Berlin-Mariendorf, 17.06.2018

Thorsten Tietz und Josef Franzl führen die beiden Hengste zu Siegen in den KRAFFT und UllrichEquine Rennserien. 

Berlin, 17. Juni 2018.


„Ich wusste bisher gar nicht, dass Deutschland heute spielt.“ Das war sicherlich der lustigste vor laufender Kamera getätigte Spruch bei der Mariendorfer Sonntagveranstaltung, die aufgrund der Fußball-WM bereits am Vormittag begann. In der Tat: Der interviewte Thorsten Tietz ist wahrlich nicht dafür bekannt, ein leidenschaftlicher Fan des Spiels mit dem runden Leder zu sein. Dafür weiß der mehrmalige Berliner Champion aber umso mehr, was im Sulky zu tun ist und bewies sein Können mit New Dawn eindrucksvoll. Das mit 12.000 Euro dotierte KRAFFT Performance Energy - Rennen wurde zu einer überlegenen Beute des Gespanns, das aus dem ersten Band einen guten Start erwischt hatte und rasch die Führung übernahm. Eine Position, die Tietz und New Dawn fortan nicht mehr abgaben, denn der Profi ließ den Traber der Besitzergemeinschaft Gramüller/Holzapfel mächtig treten. Der Vorsprung betrug teilweise vierzig Meter und am Ende waren es glatte acht Längen, die New Dawn in 14,4/2.000m von seinen Verfolgern trennten. Der als einziger mit zwanzig Meter Zulage bedachte Mac Smily (Christian Lindhardt) schnappte sich mit viel Speed vor der unauffälligen Tijuana Diamant (Michael Nimczyk) das zweite Geld. Für den schlecht gestarteten und kaum Akzente setzenden Pelle Barosso (Josef Franzl) war diesmal vor den recht harmlosen Glaedar (Kornelius Kluth) und Lovers Hall (Rudolf Haller) nur der vierte Rang drin.         

Der zweite große Höhepunkt des Berliner Renntages, der vom sportlichen Niveau her weitaus mehr zu bieten hatte als das anschließende trostlose WM-Gekicke der Nationalelf,  war der mit 6.000 Euro Preisgeld dotierte fünfte Lauf der UllrichEquine-Serie. Bereits im Vorab-Statement wurde überdeutlich, welch hohe Meinung Josef Franzl von seinem Schützling Desert King hat. Wie sich zeigen sollte, war diese Erwartungshaltung war nicht übertrieben und als Franzl mit dem Hengst  kurz darauf tatsächlich im Winner-Circle stand, legte der Sauerlacher noch einen drauf: „Ich bin total stolz, solch ein gutes Pferd im Training zu haben!“ Die Freude war begründet, denn obwohl der 13:10-Topfavorit nahezu das gesamte Rennen in der Angriffsspur bestreiten musste, war der Braune eine Klasse für sich. Desert King siegte in 14,1/1.900m mit fünf Längen Vorsprung und ließ weder der diesmal sehr flott beginnenden und im Einlauf feinen Speed entwickelnden Misty Morning (Christian Lindhardt) noch Stradivari (Michael Nimczyk), der die Rolle des Tempomachers übernommen hatte, auch nur den Hauch einer Chance.         

Er läuft weiterhin in der Form seines Lebens: Mit seinem ständigen Begleiter Heinz Wewering erzielte der 11:10-Topfavorit Rainbow Diamant bereits den fünften Volltreffer hintereinander. Und zwar in unwiderstehlichen Manier! Nach dem Start zunächst an zweiter Stelle innen positioniert, wechselte Heinz Wewering mit dem Hengst zu Beginn der Gegenseite in die zweite Spur. Rainbow Diamant zog im Rush nach vorne und verlor im weiteren Verlauf alle Gegner. Die Kilometerzeit von 13,6/1.900m und der Vorsprung von sieben Längen spielten dabei sogar nur eine untergeordnete Rolle. Denn der Crack des Besitzers Dr. Manuach Messengießer hätte bei Bedarf sogar noch viel deutlicher gewinnen können. Keine Frage: Rainbow Diamant ist für seine nächste Aufgabe – die Teilnahme am Super Trot Cup – bestens gerüstet. 

Einen super Tag erwischte Rudolf Haller: Der bayerische Profi konnte drei Siege einfahren. Get Lucky unterstrich auf der langen 2.500-Meter-Strecke einmal mehr, dass er überaus schwierig ist, aber über ein gewaltiges läuferisches Potential verfügt. Als dem Wallach nach einem Sicherheitsstart obendrein noch ein springender Teilnehmer in die Quere kam, lag er zunächst weit aus dem Rennen. Eine Runde vor dem Ziel führte ihn sein Trainer trotzdem mit einer fulminanten Attacke an die Spitze und der Braune duldete in 1:16,4 min. keinerlei Widerstand mehr. Einen wahren Paukenschlag landete Haller wenig später mit der dreijährigen Donna Granata. Die Stute machte ihrem Namen alle Ehre und rauschte nach ständiger Führung in 14,0/1.900m mit vier Längen Vorsprung über die Ziellinie. Rudolf Haller: „Donna Granata ist zwar sehr phlegmatisch und muss daher ständig angetrieben werden – aber ihr raumgreifender Schritt ist phänomenal!“ Der gleichaltrige Provenzano machte es – ebenfalls in den Wieserhof-Farben und von der Spitze aus – seiner Trainingsgefährtin eine dreiviertel Stunde später in 15,6/1.900m nach.     

Auch Michael Nimczyk stellte mit Uno per te Diamant (56:10) einen starken Dreijährigen vor. Der kleine Bruder von RitchiRich Diamant (43.368 Euro Gewinnsumme) trumpfte nach einem geschonten Verlauf in 16,2/1.900m auf. Im Gegensatz zum zweitplatzierten Far West (Josef Franzl), der unterwegs eine Menge tun musste, brauchte der Hengst seine Stärken erst auf der Schlusshalben auszuspielen. Und was einmal so gut funktioniert hat, klappt auch ein zweites Mal. Das muss sich der Goldhelm wohl bei seiner Fahrt mit Izzi’s Newport gedacht haben, denn er servierte dem ebenfalls für das Derby genannten Wallach ein Traumrennen an der Innenkante. Als der Traber aus dem Stall Mommert auf der Zielgeraden hinter dem enormes Tempo bolzenden Francesco (Jörgen Sjunnesson) auf freie Bahn fand, war in bärenstarken 14,0/1.900m alles sofort zu seinen Gunsten entschieden   

Ganz anders gestaltete sich der Rennverlauf für Gobelin (Victor Gentz), denn der Wallach der Besitzergemeinschaft Holle/Weber ging über den gesamten Weg außen herum. Angesichts seiner unbestreitbaren läuferischen Klasse war Gobelin bei einer Siegquote von 71:10 am Wettmarkt krass unterschätzt. Mit dem anspruchsvollen Pensum hatte der Dunkelbraune nicht die geringsten Probleme und nicht nur das – zur Freude seines gesamten Stallteams krönte der Achtjährige seine ohnehin schon vorzügliche Leistung mit einer neuen persönlichen Bestmarke. Gobelin gewann in der Tagesbestzeit von 13,2/1.609m – ein glorreicher Auftritt! Das einzige Amateurfahren der Veranstaltung ging an André Pögel und Fire Lane, die in 16,1/1.900m völlig überlegen mit vier Längen Vorsprung auftrumpften. Auch hier war die Siegquote sehr erstaunlich, denn mit 41:10 war der offensiv von der Spitze aus eingesetzte Fire Lane am Toto ähnlich wie Gobelin eindeutig zu schleccht bewertet. 

Gesamtumsatz: 117.538,42 Euro – Bahnumsatz: 37.536,10 Euro – Außenumsatz: 80.002,32 Euro. 

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 24. Juni statt. Veranstaltungsbeginn ist um 13.30 Uhr. Starterangabe für diesen Renntag ist am Montag, dem 18. Juni. Sie erreichen das Mariendorfer Rennsekretariat unter der Rufnummer 030-7401229 bzw. per Mail an starterangabe@berlintrab.de.