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Nordmann wird zum Superman

Nordmann wird zum Superman
Nachschau Berlin-Mariendorf, 16.05.2018


Rob de Vlieger steuert den Hengst im Rennen der Papier Union zu einem famosen Sieg. In der UllrichEquine-Serie sahnen Jörgen Sjunnesson und Whirlwind BR dick ab. 

Er besaß die geringste Gewinnsumme aller fünf Teilnehmer und hatte als einziges Pferd noch kein Rennen gewonnen. Vierzehn Starts mit guten Leistungen und einer Vielzahl von Platzierungen, aber noch kein voller Erfolg – das ließ den von Rob de Vlieger trainierten und gesteuerten Hengst Nordmann der niederländischen Besitzergemeinschaft Mervest.BV/VanDijk im Vorfeld des mit 12.000 Euro dotierten Rennens der Papier Union nicht gerade als „heißen Brenner“ erscheinen. Und so rangierte der vierjährige Sohn der nur achtmal geprüften und ebenfalls ohne einen Sieg in die Zucht verabschiedeten Stute Fleur Lavec am Toto dreistellig bei 138:10. Ohnehin schien sich die Aufmerksamkeit des Berliner Publikums am Sonntagnachmittag nur auf ein einziges Pferd zu richten: auf den von Josef Franzl präsentierten 12:10-Topfavoriten Baxter Hill. Doch obwohl der äußerlich bildschöne Hengst unmittelbar vor dem Rennen einen geradezu majestätischen Eindruck hinterließ, war es mit seiner Herrlichkeit schnell vorbei, als es ernst wurde. Denn Baxter Hill scheint eine regelrechte Aversion gegen das Mariendorfer Startauto entwickelt zu haben – der Hengst verfiel sofort in Galopp. Josef Franzl konnte seinen Schützling unter erheblichem Bodenverlust zwar wieder ausparieren – aber ausgangs des ersten Bogens folgte ein erneuter Fehler und damit das endgültige Aus. Bereits nach wenigen Sekunden war also klar: Das Rennen würde mit einer Überraschung enden.

Doch dass es ausgerechnet Nordmann war, der am Ende in den Winner-Circle einzog, verblüffte dennoch. Denn der Vierjährige lag in dem zum Gänsemarsch formierten Mini-Feld einen Kilometer lang zunächst nur an letzter Stelle, während Nelly Pepper (Victor Gentz) vor Tijuana Diamant (Rudolf Haller) und Charlotte Newport (Thomas Holtermann) den Ton angab. Bis Mitte der Gegenseite gab es keine Veränderung im Geschehen, doch dann ergriff Rob de Vlieger die Initiative und schickte seinen Schützling in die zweite Spur. Zwar schienen die vorderen Pferde bis auf Charlotte Newport, die beim Einbiegen auf die Zielgerade von den Beinen kam,  zunächst noch die besseren Karten zu besitzen. Doch Nordmann wurde immer stärker und Mitte des Einlaufs war endgültig klar, dass er als strahlender Sieger aus dem trotz der geringen Starteranzahl überaus spannenden und hochklassigen Rennen hervorgehen würde. Der Hengst schoss in der Tagesbestzeit von 13,0/1.900m wie ein Pfeil an Tijuana Diamant und Nelly Pepper vorbei und nahm seinen Gegnern bis zur Linie noch drei Längen ab. Rob de Vlieger sagte bei der anschließenden Ehrung:  „Der Sieg war längst überfällig, denn Nordmann ist ein wirklich gutes Pferd. Die Anreise zur Derby-Bahn war verdammt lang – aber sie hat sich gelohnt!“        

Doch nicht nur de Vliegers niederländisches Team machte an diesem Nachmittag kräftig Kasse. Denn mit dem dritten Lauf der UllrichEquine-Serie stand ein weiteres lukrativ dotiertes Rennen auf dem Programm. Für Whirlwind BR und die Besitzergemeinschaft um Alexander Dame scheint diese Serie regelrecht wie erschaffen zu sein. Nachdem der Wallach mit Jörgen Sjunnesson bereits die erste Etappe um 6.000 Euro Preisgeld gewinnen konnte, schlug er nun auch im ebenso hoch dotierten dritten Lauf mit dem schwedischen Topfahrer zu. Und zwar ganz nach dem Motto: Einfach die Spitze nehmen und bis zur Ziellinie vorne bleiben! Jörgen Sjunnesson war selber überrascht, wie leicht seinem Schützling der Erfolg in 16,0/1.900m gelang: „Uns kam natürlich die Startgaloppade und Disqualifikation des Topfavoriten Gri Maximus sehr entgegen, denn er wäre sicherlich ein ernstzunehmender Gegenspieler für Whirlwind BR gewesen. Aber ich muss trotzdem meinen Hut ziehen: Alexander Dame und sein Team haben in den zurückliegenden Wochen ganze Arbeit geleistet! Whirlwind BR hat sich deutlich verbessert und das Pensum perfekt bewältigt.“
In der Tat: Weder die nach geschontem Verlauf zweitplatzierte Easy Living (Kornelius Kluth) noch die außen herum marschierende Glorious Boko (Michael Hönemann) hatten gegen den Sieger den Hauch einer Chance. Und da die Offensivtaktik so gut geklappt hatte, machte der Skandinavier, der bei seinen Auftritten in Berlin geradezu mit Zauberhänden agiert, nach dem gleichen Strickmuster erfolgreich mit Francesco weiter. Der Wallach gewann Start bis Ziel in 14,0/1.900m und deklassierte seine Konkurrenten mit fünf Längen Vorsprung – eine Rekordverbesserung von 1,7 Sekunden! Im Winner-Circle verteilte Sjunnesson im Anschluss viel Lob in Richtung des ehemaligen Berliner Champions Michael Hönemann: „Michael steht Alexander Dame und seiner Lebensgefährtin Ronja Wohler stets mit Rat und Tat zur Seite und stimmt sich vor den Starts auch mit mir genau ab. Wir haben an Francescos Ausrüstung einiges geändert und das hat sich ausgezahlt.“

Eine wirklich imposante Vorstellung lieferte der von Kornelius Kluth präsentierte Standbyme ab. Der Dreijährige des Gestüts Neritz lag stets hinter Simba Diamant (Victor Gentz) an zweiter Position und schien im Schlussbogen, als sich der Pilot ruckartig absetzte, keinerlei Siegchance mehr zu besitzen. Doch dann wurden seine Beine flink wie Siebenmeilenstiefel und er fing den Gegner in 15,6/1.900m sogar noch leicht ein. Keine Frage: Das war bärenstark! Standbyme wird in den kommenden Wochen in den großen Jahrgangsrennen ein Wörtchen mitreden. Nur eine knappe Stunde später trumpfte Kornelius Kluth, für den es auf der Derby-Bahn ohnehin meist wie am Schnürchen läuft, mit einem weiteren Dreijährigen aus dem Besitz von Marion Jauß auf. Und zwar mit Go for Gold, der in 17,1/1.900m zwar nicht ganz so schnell unterwegs war wie sein Trainingsgefährte, aber beim Erfolg durch äußere Spuren viel Moral bewies.

Ein weiterer Dreijähriger, der ebenfalls auf höchstem Niveau mitmischen soll, ist Fionaro. Der kleine Bruder des Derby-Finalisten Fiobano legte mit seinem Trainer Thorsten Tietz bei seinem Debüt auf Anhieb die Maidenschaft ab. 700 Meter vor dem Ziel aus dritter Position eingesetzt, gewann der Braune in beachtlichen 15,2/1.900m mit einer Länge Vorsprung, wirkte zugleich aber noch recht grün. Er muss bis zur wichtigsten deutschen Rennwoche noch Erfahrung sammeln. Auch Tietz‘ zweiter Tagessieger New Dawn ist noch längst nicht ein alter Fuchs, denn sein nach einem Idealverlauf als viertes Pferd außen erzielter Treffer in 14,3/1.609m war erst sein neunter Lebensstart. Der Pechvogel der letzten Saison, der aufgrund einer Verletzung nicht am Derby teilnehmen konnte, wirkte aber im Vergleich zu den bisherigen beiden Saisonauftritten deutlich gefestigt und sollte zukünftig vieles nachholen.   

Die größte Überraschung in der Siegwette gab es durch Josef Franzl und Green Spirit. Trotz des recht guten Formspiegels hatte das wettende Publikum dem Wallach der bayerischen Besitzerin Pia Platzer keine ernsthafte Erfolgschance ausgerechnet – doch zur Quote von 175:10 stellte der Fünfjährige diese Prognose auf den Kopf. Nach einem geschonten Rennen an der Innenkante stellte Green Spirit den 17:10-Favoriten Offroader (Rudolf Haller) der unterwegs erheblich mehr hatte tun müssen, zum Kampf und ging mit den letzten Schritten in furiosen 13,9/1.900m am Kontrahenten vorbei.             

Nur eine bessere Trainingsarbeit war der Sieg für den von André Pögel gefahrenen Big Boss As. Der mehrfache Berliner Amateur-Champion führte sein Pferd sofort an die Spitze und drosselte die Fahrt unterwegs in den 21er-Bereich. Der Wallach gewann dank der geschonten Reserven überaus leicht. Auch mit der Stute Colombe d’Or sah es zunächst so aus, als könnte Pögel Richtung Winner-Circle eindrehen, denn die Vierbeiner-Lady des Stalles Express hatte die Ziellinie als Erste passiert. Doch da sich das vermeintliche Siegergespann im Einlauf ziemlich rigoros von der Innenkante befreit und dabei einen Gegner touchiert hatte, erfolgte die nachträgliche Disqualifikation. Der Erfolg ging stattdessen an Katharina Kramer und Muscle Design. Der aus fünfmonatiger Pause zurückkehrende Traber hatte auf den letzten 500 Metern eine feine Endgeschwindigkeit entwickelt.   
 

Gesamtumsatz: 125.864,07 Euro – Bahnumsatz: 35.399,30 Euro – Außenumsatz: 90.464,77 Euro.

Unser Terminhinweis
: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 27. Mai statt. Im Mittelpunkt steht die erste große Vorprüfung für das Derby: das Adbell-Toddington-Rennen. Beginn ist um 13.30 Uhr. Starterangabe für diesen Renntag ist am Dienstag, dem 22. Mai. Sie erreichen das Mariendorfer Rennsekretariat unter der Rufnummer 030-7401229 bzw. per Mail an starterangabe@berlintrab.de.