Vierter Fritz-Brandt-Sieg für Jörg Hafer

Vierter Fritz-Brandt-Sieg für Jörg Hafer
Nachschau Berlin-Mariendorf, 30.03.2018

Nach 2010, 2013 und 2015 gewinnt der Amateurfahrer den Klassiker diesmal mit dem Hengst Gentle Yankee.  

Mariendorf, 30. März 2018.


Sonnenschein pur und ein volles Haus: Der Fritz-Brandt-Renntag 2018 bewies einmal mehr, dass er der Startschuss für die große Saison ist. Der mit insgesamt 18.000 Euro Preisgeld dotierte Mariendorfer Klassiker hatte die komplette Amateurfahrer-Elite nach Berlin gelockt und unter den prominenten Teilnehmern ging einer als Sieger hervor, der die Luft im Winner-Circle in seiner großartigen Karriere schon 1.345 Mal eingeatmet hat: der in Herten lebende Jörg Hafer. Für den 58-Jährigen, der bereits mit Bronco Be (2010), Pretty Ripped (2013) und Smokie Juvel (2015) aufgetrumpft hatte, war der Sieg mit dem Hengst Gentle Yankee für die Farben von Marion Jauß nunmehr der vierte Treffer in diesem bedeutenden Rennen. Und das Gefühl, erneut zu gewinnen, war für den Routinier sicherlich gleich doppelt schön. Denn Gentle Yankee wird von seinem jüngeren Bruder Dirk auf seine Aufgaben vorbereitet. Der Fritz-Brandt-Triumpf 2018 war also quasi ein Erfolg „made by the Hafer-Brothers“. 

Doch betrachten wir das Geschehen der zeitlichen Reihenfolge nach: Der erste Fritz-Brandt-Vorlauf mündete in einen fulminanten Treffer für die von Hans-Jürgen von Holdt gesteuerte Wildcat Hanseatic. Nach einem kurzen Abtasten mit den Gegnern führte der Amateur-Vizeeuropameister seine Stute im ersten Bogen entschlossen nach vorne und hatte damit bereits zu einem frühen Zeitpunkt alles unter Kontrolle. Lediglich der in der Schlusskurve heftig bemühte Locarno (André Pögel) kam an die in starken 14,0/1.900m siegende Pilotin näher heran, quittierte die Zwischenbeschleunigung auf 11,1 beim Einbiegen auf die Zielgerade aber mit einem Fehler und war damit aus der Partie. Das zweite Geld ging daher deutlich zurück an Kelso (Dennis Kristiansen), der auf der Gegenseite – ganz vom Ende des Feldes kommend – eine Menge tun musste, um seine Position zu verbessern. Um die weiteren drei Eintrittskarten für das Finale entbrannte auf den letzten 200 Metern ein spannender Kampf, aus dem Georgies Matador (Marco Schindler) als Dritter vor Panasonic Diamant (Michael Hamann) und Il Santo (Josef Stuber) hervorging. 

Der zweite Vorlauf stand ganz im Zeichen von Maine (Sarah Kube) und Gentle Yankee (Jörg Hafer), die sich erst am 18. März begegnet waren. Der Rennverlauf gestaltete sich nahezu identisch wie beim letzten Aufeinandertreffen, denn während Maine sofort in Front stürmte, musste es der als einziges Pferd in der zweiten Startreihe positionierte Gentle Yankee natürlich sehr viel ruhiger angehen lassen. Als Sarah Kube aber die Fahrt auf der Gegenseite in den 20er-Bereich gedrosselt hatte, ohne dass die Konkurrenten reagierten, schritt Jörg Hafer als einziger Konkurrent konsequent zum Angriff und warf Gentle Yankee in die Schlacht. Trotz teilweise weiter Wege kam der Hengst immer näher an Maine heran und drehte den Spieß unmittelbar vor der Linie in 15,3/1.900m um. Der drittplatzierte Offroader (Dr. Marie Lindinger) offenbarte ebenfalls noch einigen Speed, während What you want (André Pögel) trotz geschonten Verlaufs auf den letzten Metern nicht mehr richtig vorankam. Die Stute stieß aber ebenso wie der fünftplatzierte Fire Lane (Sina Baruffolo) ins Finale vor. 

Bei dem mit 10.000 Euro dotierten Endlauf gab es in Bezug auf die Fahrerverteilung keine personellen Veränderungen und das Hauptaugenmerk des Publikums ruhte eindeutig auf Hans-Jürgen von Holdt, der mit Wildcat Hanseatic auf den 19:10-Favoritenthron gehoben wurde. Im Vergleich zu sonstigen Gewohnheiten erwischte die Stute aber ebenso wie die anderen mit 20 Meter Zulage bedachten Pferde einen eher mittelmäßigen Start und konnte im weiteren Verlauf keine Akzente setzen. Bereits 500 Meter vor dem Ziel, als sie mit ihrem Angriff nicht entscheidend durchdrang, war zu ahnen, dass es diesmal nicht mit dem Sieg klappen würde. Und in der Tat: Am Ende sprang nur der fünfte Platz für die Stute heraus. Ganz anders agierte dagegen Gentle Yankee (63:10), der ausgangs des ersten Bogens von der Grundmarke aus das Kommando übernommen hatte und es in 15,4/2.000m es auch nicht mehr abgab, obwohl es auf den letzten Metern dann doch noch verdammt eng für ihn wurde. Denn Dr. Marie Lindinger brachte ihren Offroader – obwohl der Wallach die Nüstern ständig im Wind gehabt hatte – für das zweite Geld nur eine Kopflänge zurück noch mächtig auf Touren und ganz außen flog auch noch Kelso mit Dennis Kristiansen bis auf eine halbe Länge an den Sieger heran. Der Lasbeker Traber hatte von ganz hinten aus erst Mitte der Gegenseite besser ins Geschehen gefunden. Man darf ihm daher eine tolle Schlussleistung attestieren. Auch der Auftritt der viertplatzierten What you want war aller Ehren wert. André Pögel blieb mit der Stute hart innen – im Gegensatz zum Vorlauf – bis zum Zielpfosten dicht an dem Trainingsgefährten Gentle Yankee dran.                 

Bei der Mariendorfer Veranstaltung wurden zudem zwei weitere mit jeweils 4.000 Euro Preisgeld dotierte Amateurprüfungen ausgetragen. Einen vollen Winner-Circle gab es beim Sieg von Moon Dock und Nadine Skoruppa, die bei der Ehrung einige Freudentränen vergoss. Die junge Fahrerin musste sich ihrer Rührung wahrlich nicht schämen, denn sie hatte mit dem 244:10-Außenseiter einfach alles goldrichtig gemacht. Moon Dock stürmte im Einlauf mit riesigem Speed am gesamten Feld vorbei und sorgte mit Vitesse Lumiere (Michael Hamann) und Hallo Bo (Katharina Kramer) auf den weiteren Plätzen für Quoten-Sensationen: Auf Place gab es 183:10 sowie 94:10 und die Dreierwette sprengte mit 65.847:10 alle Dimensionen. Die zweite der beiden lukrativ dotierten Prüfungen ging in der Tagesbestzeit von 13,1/1.900m an Sarah Kube und Dreambreaker, der nach Beendigung des Schweden-Gastspiels in seiner deutschen Heimat einen längst überfälligen und hochverdienten Sieg feierte. Der Fünfjährige ließ von der Spitze aus dem außen herum gehenden Juan (Dennis Kristiansen) und dem durch die schlechte Startnummer 9 gehandicapten Montecore Mo (Christoph Pellander) nicht den Hauch einer Chance.        

Obwohl der Renntag voll und ganz dem Amateursport gewidmet war, lieferten natürlich auch die Profis tolle Leistungen ab. So richtig abgezockt präsentierte sich vor allem Lea Ahokas, die ihre Gegner mit Beebee BR von der Spitze aus bei mäßigem Tempo regerecht einlullte und dann auf der Schlusshalben gnadenlos davonfuhr.  Ebenfalls von der Spitze aus schlug Michael Larsen mit Cromwell zu, der beim zweiten Anlauf die Maidenschaft ablegte und zukünftig starke Beachtung verdient. Victor Gentz machte mit Grazia Greenwood dagegen erst kurz vor der Ziellinie ernst. Für die Stute war es der zweite Treffer hintereinander. So weit ist Laufey (Michael Hönemann) in ihrer derzeitigen Bilanz zwar noch nicht – aber ihre Leistung und die Art und Weise, wie die Stute bei ihrem Sieg das recht anspruchsvolle Pensum in der Außenspur wegsteckte, macht Geschmack auf mehr. Ihr Erfolg sollte daher keine Eintagsfliege bleiben.       

Gesamtumsatz: 141.687,56 Euro – Bahnumsatz: 60.522,20 Euro – Außenumsatz: 81.165,36 Euro. 

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 15. April statt. Im sportlichen Mittelpunkt stehen zwei mit jeweils 8.000 Euro dotierte Adbell-Toddington-Trials sowie der erste Lauf der UlrichEquine International Vier- und Fünfjährigen-Serie um 6.000 Euro Preisgeld. Beginn ist um 13.30 Uhr. Starterangabe für diesen Renntag ist am Montag, dem 9. April. Sie erreichen das Mariendorfer Rennsekretariat unter der Rufnummer 030-7401229 bzw. per Mail an starterangabe@berlintrab.de.