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„Lass ihn einfach gleiten!“

„Lass ihn einfach gleiten!“
Nachschau Berlin-Mariendorf, 14.06.2017

Der dreijährige Hengst New Dawn präsentiert sich mit Thorsten Tietz wie ein Überflieger. Der gleichaltrige Baxter Hill imponiert mit Josef Franzl ebenfalls mächtig. Von den älteren Pferden agiert vor allem der von Michael Nimczyk gesteuerte Banks überragend: Der Spitzentraber erzielt einen neuen Berliner Saisonrekord! 
 
Die kommenden Wochen werden richtig spannend: Bei der Mariendorfer Mittwochveranstaltung stellten sich erneut bärenstarke dreijährige Pferde vor und die Diskussion, welcher Traber den Kampf um das Blaue Band gewinnen wird, tritt langsam aber sicher in eine heiße Phase. Genauere Aufschlüsse wird natürlich erst das Buddenbrock-Rennen am 9. Juli liefern. Aber einer, der der am Tag X zweifellos ein Wörtchen mitreden kann, ist der Hengst Baxter Hill. Sein Start-Ziel-Sieg in 15,1/1.900m war beeindruckend. Der vom Bayerischen Champion Josef Franzl trainierte und gesteuerte Hengst schwang ein eisernes Zepter und ließ seinen Verfolgern Lady Nadine (Maik Esper) und Power of Rhythm (Rudolf Haller), die sich als Zweit- und Drittplatzierte ebenfalls prächtig verkauften, nicht den Hauch einer Chance. Auf der Zielgeraden löste sich der kleine Bruder der dreifachen Breeders-Crown-Siegerin Stacelita hochüberlegen mit fünf Längen Vorsprung. Eines scheint jetzt schon klar zu sein: Das Ehepaar Walek, das den von Jean-Pierre Dubois gezüchteten Traber im Herbst letzten Jahres gekauft hatte, darf sich über eine goldrichtige Investition freuen. Baxter Hill steht vor einer tollen Zukunft.
 
Genau im richtigen Moment zugegriffen: Diese Devise gilt ebenfalls für Renate Gramüller und Johann Holzapfel, die den von Arne Frahm gezüchteten Hengst New Dawn ihr Eigen nennen dürfen. Mit seinem Trainer Thorsten Tietz ist der muskulöse Dreijährige, der seine Bilanz mit einem Sieg in der grandiosen Kilometerzeit von 13,3/1.900m auf insgesamt fünf Volltreffer steigerte, noch ungeschlagen. Selbst der Startplatz 10 konnte den Braunen nicht stoppen. Nachdem New Dawn zunächst die vierte Position außen erobert hatte, gab Berlins Champion kurz vor dem Schlussbogen Gas und wollte mit diesem Manöver eigentlich den innen daneben liegenden Gegner Kentucky Bo (Rudolf Haller) festnageln. Doch New Dawn ging einfach auf und davon. Thorsten Tietz: „Er brauchte zwar einen kurzen Moment für die Tempoverschärfung, packte dann aber so famos an, dass ich dachte: Lass ihn einfach gleiten!“ An seiner Wertschätzung für den Hengst ließ der Silberhelm keinen Zweifel: „Der Braune ist ein Ausnahmepferd!“ Eine sehr gute Note verdiente sich – allerdings schon sieben Längen zurück – auch Tijuana Diamant (Michael Nimczyk), die Kentucky Bo mit viel Speed noch das zweite Geld wegschnappte.
 
Natürlich konnten sich nur die dreijährigen Stars, sondern auch die erfahrenen älteren Vierbeiner-Cracks mächtig in Szene setzen. Das von allen Rennsportfans heiß erwartete Saisondebüt von Banks verlief absolut überzeugend. Mit dem Goldhelm Michael Nimczyk im Sulky war der Achtjährige in der neuen Berliner Saisonrekordzeit von 12,7/1.900m eine Klasse für sich – obwohl sich der Verlauf für den Wallach gar nicht mal optimal gestaltete. Denn in einem munteren Hauen und Stechen hatte sich zunächst Dimitri W Eden (Thorsten Tietz) für die Führung durchgesetzt. Als der diesmal aber offenbar nicht im Vollbesitz seiner Kräfte befindliche Pilot im Schlussbogen stehenblieb wie eine Karre Sand, schien der dahinter festsitzende Banks ziemlich in die Klemme geraten zu sein. Doch dann ergab sich genügend Freiraum und der 09,9-Traber fing den schon enteilten Indover, dessen Fahrer Kornelius Kluth die Turbulenzen clever ausgenutzt hatte, noch überaus leicht wieder ein. Am Ende standen zweieinhalb Längen Vorsprung für Banks zu Buche, für den in näherer Zukunft Starts in Frankreich vorgesehen sind. Mit Ulrich Mommerts Prince of Persia gelang dem Deutschen Meister unmittelbar danach ebenfalls ein Sieg. Der Fuchs setzte sich von der Spitze aus in 13,7/1.900m durch und wehrte in einer überaus rasanten Schlussphase den gefährlichen Angriff von Lemaitre (Maik Esper) ab.          
 
„Er ist ein verrückter Bursche und hat viele Eigenarten – aber er ist zugleich auch ein wahnsinnig gutes Pferd!“, strahlte Rudolf Haller über die Leistung von Tyrolean Dream, der sofort die Spitze übernommen hatte und seine durchaus prominente Gegnerschaft in der neuen persönlichen Bestzeit von 13,1/1.900m in Grund und Boden rannte. Obwohl der in der Endabrechnung viertplatzierte Rainbow Diamant (Heinz Wewering) unterwegs ungeheuren Druck aufgemacht hatte, beschleunigte der Pilot in jeder Phase des Rennens nahezu mühelos und löste sich auf den letzten 300 Metern mit neun Längen von den vergeblich nachsetzenden und nur hauchdünn voneinander getrennten Montgomery Mo (Michael Nimczyk) und Flirty or Dirty (Thomas Panschow). Rudolf Haller: „Wir haben Tyrolean Dream heute das erste Mal komplett ohne Eisen angespannt und das Experiment hat perfekt funktioniert!“ 
 
„Die Bahn war bestens präpariert, das Pferd ist toll in Schwung und ich bin auch in guter Form“, schmunzelte Heinz Wewering bei dem von Nicolai Laaser geführten Siegerinterview im Winner-Circle, unmittelbar nachdem er mit Jorma Bo zugeschlagen hatte. Der 29-malige Deutsche Meister hatte in der Tat allen Grund zur Zufriedenheit, denn Jorma Bo lieferte eine blitzsaubere Leistung ab und gewann Start bis Ziel in 13,8/1.900m völlig ungefährdet. Im Einlauf wurde der außen angreifende Kelso (Thomas Panschow) zwar noch mächtig schnell, aber der Wallach des Gestüts Lasbek konnte sich nur noch auf zwei Längen an den für die Farben von Katharina Pavel laufenden Sieger herankämpfen.          
 
Gesamtumsatz: 60.653,09 Euro.