02:24:37
Rennen
Heutige Rennen
Deutschland
Österreich
Schweden
Dänemark
Norwegen
Niederlande
Frankreich
Südafrika
Hong Kong
Neuseeland
Australien
Kanada
USA

Bruno-Cassirer-Rennen: Des Goldhelms stylisches Meisterstück

Bruno-Cassirer-Rennen: Des Goldhelms stylisches Meisterstück
Nachschau Berlin-Mariendorf, 03.09.2021
 
Jack Scott überrascht im Derby-Marathon – Rudi Haller mit Fan d’Arifant zum Zweiten – Gerd Biendl bei den Oldies
 
(MW)  Wie tags zuvor der Shootingstar-Cup wurde auch das Bruno-Cassirer-Rennen als traditionelles Schmuckstück des Freitagabends mangels Masse, sprich Bewerberinnen in lediglich einem Lauf entschieden. Erstmals mussten die vierbeinigen Ladys über 2.500 Meter - und  ein Trio über 20 Meter mehr - ran, um an Teile der ausgelobten 20.000 Euro zu kommen. Ebenfalls wie am Donnerstag bei den Amateuren wanderte der dickste Batzen dank In Style in die Tasche von Karin Walter-Mommert, wobei diesmal Mats Strandquist, der „Übungsleiter“ des Mommertschen Quartiers im norddeutschen Brammerau, als Vorbereiter und Michael Nimczyk als Vollstrecker fungierten. Nicht wie bei Man U als Favoriten, sondern als 196:10-Außenseiter. Zum einen, weil die im wahrsten Sinn kleine, vom französischen Weltenbummler Jean-Pierre Dubois gezüchtete Schwester der Impressive Lady, Iron Creek und In Your Dreams überhaupt erst viermal gestartet, zum anderen, weil sie zugleich die Ärmste des Zehnerfeldes war.
 
Zur knappen Favoritin erkoren war die auch erst viermal gestartete, dabei noch nie bezwungene Blind Date, bei der sich Rudi Hallers und der Auguren Skepsis bestätigte, ihr könne der Start aus dem Band zum Verhängnis werden. Das „Ab“ war kaum verklungen, da war das Wett-Geld auf die Braune auch schon im Galopp weg. Umso schwungvoller legte Josef Franzl mit Palmyra los, und hinter der den zeitweise recht gemächlichen Takt vorgebenden Lasbekerin fand Nimczyk für In Style eine ideale Ausgangslage. Die Gretchenfrage lautete, ob sie die nach dem langen Arbeitsweg würde nutzen können. Sie konnte - und wie. „Natürlich gehört immer das nötige Quäntchen Glück dazu, rechtzeitig freizukommen, aber als Ruby Barosso außen nicht mehr taufrisch war, konnte sich meine Stute lange genug richtig ansaugen. Im Schlussbogen ahnte ich, dass wir Palmyra stellen könnten, so exzellent lag sie in der Hand.“ Der Rest war zwar kein Kinderspiel, doch eine letztlich sichere Angelegenheit: „Sie ist zwar klein, hat aber eine enorme Grundschnelligkeit und ein riesiges Kämpferherz. Sie hat auf einen Ruck ihre Gewinnsumme enorm gesteigert (von 3.530 auf 13.530 Euro) und wird, gehen wir behutsam mit ihr um, ein tolles Rennpferd.“ Wenig Chancen hatten jene drei mit 20 Meter Zulage bedachten Aspirantinnen, sich auf den rasanten beiden Schlussabschnitten im Kampf ums Podium einzubringen. Ihre Beste Kosy Occagnes  ergatterte als  dritte Kraft des Wettmarkts klar zurück die vierte Prämie.
 
Jack aus der Kiste
 
Zweiter Höhepunkt des Abends war der 15.000 Euro wertvolle Derby-Marathon-Pokal über die 1978 letztmals geforderte Derby-Strecke von 3.200 Metern - und für die Reichen und Superreichen noch 20 bzw. 40 Meter mehr. Alles redete über Edens Boy, mit dem Jaap van Rijn nach 500 Metern die Spitze übernahm und ein kerniges Tempo vorlegte, bei dem die Zulagen-Gespanne Mühe hatten, den Kontakt zum Flüchtlings-Trio herzustellen, zu dem noch Maxi Cup und Jack Scott zählten. Tatsächlich gelang dies ab 700 Meter vorm Ziel erst dem 2019er Sieger Laurel Park, der dennoch nur auf Platz fünf landete. Besser hielt sein Schatten, der in Frankreich über solche Distanzen gestählte Crown Wood durch, doch auch der hatte gegen die Erstbändler nichts zu melden. Nach Hause kam Edens Boy nicht: Da waren Rudi Haller und der enorm zupackende Jack Scott vor, die dem schwedischen Holländer für 189:10 verblüffend glatt den (ersten) Rang abliefen. 
 
Gut los ging der sonnenüberflutete Sommerabend für das in den letzten Wochen ein wenig gebeutelte Quartier von Robert Gramüller und Josef Sparber. Ihr Orlando Attack war in der im Rennbahn-Jargon als „Hammelklasse“ bezeichneten Prüfung für die Gewinnärmsten mit Thorsten Tietz eine Macht, regelte vorneweg alles souverän und ließ dem 18:10-Favoriten Benitho nicht den Hauch einer Umsturzchance.
 
Und es ging gleich prima weiter für die bayerische Trainergemeinschaft mit den Berliner Vollstreckern, denn Sarah Kube stand in Lauf 1 für die Amateure des Kombi-Pokals ihrem Lebensgefährten Thorsten Tietz nicht nach. Iron Creek, der zuletzt einige Federn hatte lassen müssen, verpasste sie ein Rennen aus der Deckung, was dem flinken Fuchs bestens schmeckte. Leichtfüßig zog er seine Besitzerin, die nicht mal einen Steinwurf von der Derby-Bahn entfernt aufgewachsen ist, zu ihrem 300. Sieg in Sattel und Sulky. Ein zweiter Erfolg war den Beiden in Lauf 2, nunmehr gegen die zweibeinigen Profis, nicht vergönnt, denn in der Hand des Goldhelms benahm sich Favori de la Basle deutlich zivilisierter als in jener von Amateur-Meister Thomas Maaßen, der den Franzosen im ersten Test gar nicht erst ans Startauto bekommen hatte. Michael Nimczyk wurde nach 500 Metern von Nordic Jaycee auf die Spitzenposition durchgewinkt, was denn auch schon die ganze Miete sein sollte. Pechvogel Nordic Jaycee hatte auf der Zielgeraden kaum Luft zum Atmen, geschweige denn aus der Falle zu entschlüpfen, und musste, von der erneut prächtig durchziehenden Let’s Twist a Lot und Thatcher um Haaresbreite abgefangen, mit Rang vier vorliebnehmen.
 
Von hinten baute Victor Gentz Othello PS das Rennen auf. Der kleine Dunkelbraune wurde auf den letzten 600 Metern immer stärker und rang Russel nieder, der sich mit viel Mumm von der Spitze versucht hatte. Für Gentz war’s der erste Treffer des laufenden Meetings, für Othello der erste seiner elf Auftritte umfassenden Laufbahn. Ist der Bock umgestoßen, geht’s oft gleich munter weiter - das hatte tags zuvor Kay Werner vorexerziert. Das Rennen der Oldies holte sich der Start-Ziel die Kommandos gebende Gerd Biendl, der mit dem von Victor Gentz vorbereiteten Workaholic Diamant niemand geringeren als Heinz Wewering abblitzen ließ und dem den 16.925. Treffer vermasselte.
 
Jochen Holzschuhs Glanzform hielt an. Der zu ihm zurückgekehrte Blitzstarter Julnick Shark stürmte wie ein Wirbelwind sofort in Front, schläferte die hinter ihm aufgereihten Rivalen ein und hielt in der rassigen Endphase, die Purple Rain wegen einer Galoppade nicht miterlebte, Ovation L.A. und Kantadou auf Distanz.
 
Bei den Amateuren war der aufstrebende Niederländer Willem Hendriks gegen Favorit Klaus Hazelaar immer in der Vorhand und setzte mit Hind Beuckenswyk seinen ersten Mariendorfer Treffer. Emma Stolle revanchierte sich in einem weiteren Wertungslauf für die Hobbyfahrer, machte mit ihrem Dan CG die miese Startnummer „10“ mit einem harschen Überfall vor den Tribünen wett und war 1.00 Meter vorm Ziel vorn. Wer gedacht hatte, die schneidige Amazone habe ihrem Wallach damit zu viel zugemutet, wurde gründlich korrigiert: Auf den finalen 500 Metern wurde der Igor-Font-Sohn immer munterer, bescherte seiner couragierten Fahrerin den zwölften Sieg ihrer erst vor etwas mehr als einem Jahr begonnenen Karriere und ein dickes Trostpflaster für den gestrigen Ausfall mit ihrem Bruno Font CG.
 
Kurios: Fest in holländischer Hand war ein Lauf zur deutschen Nachwuchsmeisterschaft: Finn Verkaik knöpfte mit Favoritin Quelle Fleur nach 600 Metern Marciano Haubers Jenna Transs R das Kommando ab - und wurde eine Runde später von der von allen Eisen befreiten Schwarzbraunen sicher ausgekontert. Durch Kentuckie Kite und Thomas Bos ging auch Platz drei an „Oranje“.
 
Zum Abschluss durften sich die Franzosen-Traber über 2.500 Meter austoben. Zum zweiten Mal in diesem Meeting behielt Fan d’Arifant, dem Rudi Haller ein Traumrennen im Rücken des gepriesenen und letztlich als Fünfter anschlagenden Confidential Bond verpasste, die Oberhand über den wie vor zwei Wochen 20 Meter besser gestellten Expandable Hope, der sich so leicht nicht unterbuttern ließ von einem der besten in Deutschland aktiven „Trotteur français“. Trotz dieses Favoriten-Treffers wurde die V7+-Wette nicht getroffen, so dass ein Jackpot von 14.178,36 Euro in die Königswette des Samstags fließt. 
 
Erleichterung gab’s beim Blick auf den Wettumsatz. Vor Jahresfrist hatten die Totokassen im Schnitt der damals 13 Rennen 23.831 Euro zu bewältigen; diesmal waren’s bei jedem der 12 Rennen 24.927 Euro - ein Plus von rund vier Prozent. 
 
Umsatz bei 12 Rennen: 299.119,84 Euro (incl. 175.589,88 Euro Außenumsatz), davon 27.240,85 Euro in der V7+-Wette