Heinz Wewering macht sein Meisterstück

Heinz Wewering macht sein Meisterstück
Nachschau Berlin-Mariendorf, 07.07.2019


Europas erfolgreichster Trabrennfahrer aller Zeiten gewinnt den mit 20.000 Euro Preisgeld dotierten Lauf zum Super Trot Cup mit dem Außenseiter Rainbow Diamant.  In der Newcomer-Serie verblüffen Thomas Panschow und Kobra Haleryd ebenfalls zu hohen Odds. Die dickste Überraschung hält aber Thomas Buley parat, der mit Quandor für 42-faches Geld triumphiert.  


Es war der Renntag der Außenseiter. Und es war der Renntag der Emotionen. Wohl nur selten zeigten sich die Sieger bei den Ehrungen im Winner-Circle so gerührt wie am Sonntag. Selbst ein solch ausgebuffter Profi wie Heinz Wewering, der in seiner glanzvollen Karriere schon mehr als 16.900 Mal als Erster über die Ziellinie gefahren war, musste nach seinem Triumph mit Rainbow Diamant ganz tief schlucken. Was eigentlich auch kein Wunder war: Denn dass der 29-fache Deutsche Meister der gesamten hochklassigen Konkurrenz in dem mit 20.000 Euro Preisgeld dotierten Lauf zum Super Trot Cup ein Schnippchen schlagen würde – damit hatte er wohl selber kaum gerechnet. Das Publikum hatte den Traber aus dem Besitz von Dr. Manuach Messengießer trotz seiner zuvor gezeigten exzellenten Leistungen am Toto nur bei 23,2:1 eingeordnet. Der Braune rangierte damit weit unter dem von Michael Nimczyk gesteuerten Favoriten Emilion (1,6:1), der auf der Startgeraden schwer von den Beinen kam und disqualifiziert wurde, und Conrad Lugauers Schützling Breidabliks Cognac (4,1:1), den es im letzten Bogen erwischte.


Da auch der als aussichtsreich eingestufte Gustavson Be (Victor Gentz) nach einer frühen Unsicherheit eine ernsthafte Siegchance begraben musste, gestaltete sich der Rennverlauf anders, als von vielen Wettern erhofft. Desert King (Jörgen Sjunnesson) schoss sofort an die Spitze, während Heinz Wewering mit Rainbow Diamant in dessen Windschatten schlüpfen konnte. Die zweite Spur führte bis zu seinem späteren Aus zunächst noch Breidabliks Cognac an, während Thomas Panschow mit dem mit schnellen Zeiten aus Dänemark angereisten Mr Shorty eher unauffällig an achter Stelle außen platziert war. Mitte der Gegenseite flog der Derby-Dritte aber im Rush heran und wirkte brandgefährlich. Doch der führende Desert King erwies sich als ausgesprochen zäh und ließ sich kaum beeindrucken. Beim Einbiegen auf die Zielgeraden hatte Jörgen Sjunnesson alles in der Hand und schien einem sicheren Sieg entgegenzufahren. Doch der zu diesem Zeitpunkt noch mit etlichen Längen Rückstand folgende Rainbow Diamant entdeckte sein Kämpferherz und schaffte in 1:13,4/1.900m mit dem allerletzten Schritt die Sensation. Heinz Wewering gelang in seiner unnachahmlichen Art einmal mehr, ein Finish zu seinen Gunsten zu entscheiden. Während also Rainbow Diamant und Desert King die Tickets für das große Finale des Super Trot Cups am 3. August ergatterten, hielt sich auch Mr Shorty als Dritter ebenso wie der viertplatzierte Grift Jr (Michel Rothengatter) prächtig. Der im niederländischen Callantsoog trainierte Wallach lag unterwegs stets im Fahrwasser von Breidabliks Cognac.           


Mächtig verblüffte Mienen gab es bei den Favoritenwettern auch nach dem Sieg von Thomas Panschow und Kobra Haleryd im sechsten Lauf der Newcomer-Serie um 6.000 Euro Preisgeld. Denn mit dem bei 24,0:1 notierten Außenseitergespann hatte kaum jemand gerechnet, sodass sich in der V7+ bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt ein Jackpot in Höhe von 7.020 Euro ergab. Thomas Panschow verpasste seinem Schützling, den er zuvor nur ein einziges Mal – nämlich Mitte Juni in Hamburg – gesteuert hatte, ein geschontes Rennen an der Innenkante. Er ersparte dem Fuchs aus dem Lot von Martina Jänsch-Tappe jeden zusätzlichen Meter – das war die Basis für den Erfolg. Als das Feld in den Einlauf bog, machte Kobra Haleryd in 15,8/1.900m hinter der Pilotin G.G.‘s Victoria (Victor Gentz) entscheidende Reserven frei und fing die tapfer durchziehende Gegnerin sicher ab. „Es hat sich vom Startplatz zwei aus alles optimal für uns entwickelt“, resümierte Thomas Panschow bei der anschließenden Ehrung und zeigte sich ebenfalls tief bewegt. „Ich habe mich an Kobra Haleryds Vater Nu Pagadi erinnert – vielleicht hat uns das zusätzlichen Schwung verliehen.“ Mit dem Hengst hatte der Profi 2008 das Derby gewonnen.   
          

Im Rahmenprogramm gab es etliche starke Leistungen zu verzeichnen. Hier sind die Sieger in chronologischer Reihenfolge: Merete (Thomas Heinzig) war nach ständiger Führung eigentlich nur als Zweite. Da aber Proud Miguel (Thomas Panschow), der sie kurz vor der Linie abgefangen hatte, im Anschluss wegen einer Fahrspurveränderung eingangs der Zielgeraden von den Stewards auf den dritten Platz zurückgesetzt wurde, ging der Erfolg an das Stallteam der Stute. Einen geradezu überfälligen Volltreffer feierte Fighter Pilot (Mikola Volf). Der überaus formbeständige Fuchs ging auf der Gegenseite nach vorne und war völlig überlegene Ware. Red Girl (Heinz Wewering) lag unterwegs immer hinter der tempobolzenden Jane Attack (Michel Rothengatter) und ging im Einlauf grußlos an der Pilotin vorbei. Falls Garry (Ronja Walter) so weitermacht wie momentan, hat der Wallach erneut die Chance, Deutschlands siegreichstes Pferd des Jahres zu werden. Selbst 40 Meter Zulage konnten den Dunkelbraunen, der im Schlussbogen das Heft in die Hand genommen hatte, nicht stoppen und er machte das Monté in phänomenalen 14,7/2.040m einmal mehr zu seiner Bühne.   


Für den größten Quotenhammer der Veranstaltung sorgte Thomas Buley mit dem 41,8-Riesenaußenseiter Quandor. Den eigenen Traber gleich bei seinem Debüt siegen zu sehen – das ist wohl der Traum eines jeden Besitzers und Lesley Renner, die Quandor auf Anraten seines Züchters Christian Tausent gekauft hatte, war über den mit großer Autorität erzielten Triumph derartig glücklich, dass sie prompt ein paar Freudentränen verdrückte. „Ich glaube, ich habe ein Pferd für Dich – er schaut gut aus und wird Dir gefallen, hatte mir Christian Tausent gesagt und ich bin seiner Empfehlung gefolgt“, strahlte die sympathische Amateurfahrerin bei der Ehrung im Winner-Circle über beide Backen. Die im schleswig-holsteinischen Bevern beheimatete Sportlerin durfte in der Tat mächtig stolz auf ihre Neuanschaffung sein, zumal Thomas Buley und Quandor mit ihrer auf der Gegenseite eingeleiteten Blitzattacke dem Favoriten Cruzado (Michael Nimczyk) eine glasklare Niederlage beigebracht hatten und in bärenstarken 15,5/1.900m nichts dem Zufall überließen.


In prächtiger Verfassung präsentierte sich So Keck mit ihrem Besitzer Immo Müller. Die Stute bewies einmal mehr, dass sie Rennen an der Spitze liebt und gewann sehr souverän. Die bei 16,6:1 gehandelte Venividivici S (Ronald de Beer) profitierte zum einen vom Ausfall diverser Favoriten und zum anderen von einem Idealverlauf als zweites Pferd innen. Ihre Besitzerin Sabine Koza darf mit der Dreijährigen nun gespannt dem Stutenderby-Vorlauf entgegensehen. Auch Oxidizer (Andreas Gläser) erbrachte mit 12,9:1 eine stolze Quote. Der Vierjährige drehte auf der Gegenseite seinen Turbo auf und trabte zu einer 15,0-Rekordverbesserung. Bereits den vierten Erfolg en suite erzielte Honesty Newport (Michael Nimczyk), die vom Fleck weg keine Opposition duldete. Die Abschlussprüfung ging an die von Dennis Spangenberg bereits ausgangs des ersten Bogens gebrachte Astasia du Vivier. Fürdie Fuchsstute wurde es am Ende zwar sehr eng, aber sie rettete sich mit einem Millimeter-Vorteil vor dem speedigen Birdy de Neuilly (Michael Nimczyk) ins Ziel. Und natürlich kamen auch wieder die Mini-Traber zum Zuge. Der Sieg ging – wie könnte es anders sein – an Amy Fink und ihr Pony Lolly.      


Gesamtumsatz: 153.678,10 Euro – Bahnumsatz: 52.594,25 Euro – Außenumsatz: 101.083,85 Euro.


Unser Terminhinweis: Es ist soweit: Das Derby-Meeting beginnt! Die erste Veranstaltung des wichtigsten Ereignisses des deutschen Trabrennsports findet am Freitag, dem 19. Juli ab 16.30 Uhr statt. Im Mittelpunkt werden die Silber- und Newcomer-Serie sowie der Derby-Cup der Vier- und Fünfjährigen