Großer Tag für Seppi Franzl

Großer Tag für Seppi Franzl
Nachschau Berlin-Mariendorf, 02.06.2019

Der bayerische Trainer gewinnt den Lauf der Gold-Serie und das Buddenbrock Warm-up. Die weiteren hochdotierten Rennen gehen an Michael Nimczyk und Gerhard Biendl. Mariendorf begrüßte den neuen Weltmeister Rick Ebbinge.

„So ein Tag, so wunderschön wie heute …“. Wer weiß, ob Josef „Seppi“ Franzl den von Walter Rothenburg (1889-1975) geschriebenen Musiktext bei seiner Rückfahrt von der Mariendorfer Veranstaltung auf seinen Lippen hatte. Die Worte und die Melodie hätten auf jeden Fall super zu dem Verlauf des Nachmittages auf der Derby-Bahn gepasst, denn der bayerische Trainer räumte die Siegerpokale bei beiden Hauptereignissen ab – nämlich dem mit 15.000 Euro dotierten Lauf der Gold-Serie sowie dem Buddenbrock Warm-up um 10.000 Euro Preisgeld. Franzl hatte sich zwar schon im Vorfeld in den Interviews sehr optimistisch geäußert. Aber dass vor allem der dreijährige Otero vom Gestüt Lasbek eine derartige Leistungsexplosion zeigen und in sensationellen 13,0/1.900m zur Tagesbestzeit stürmen würde – damit hatte auch der Sauerlacher nicht ernsthaft gerechnet. Mit einer Quote von 5,5:1 stand der Traber der Familie Herz in der Gunst der Wetter ohnehin nur an dritter Stelle. Stattdessen wurde der vom neuen Weltmeister Rick Ebbinge gesteuerte Hengst Velten von Flevo zum 1,5-Favoriten auerkoren.

Der in den Niederlanden von Jeroen Engwerda trainierte Ganymede-Sohn stand das Pensum als Angreifer in der Todesspur aber nicht durch, wechselte ausgangs des Schlussbogens erst in den Passgang und dann in den Galopp und trat sich dabei obendrein auch noch ein Eisen ab. Ganz anders Otero: Die neue norddeutsche Derby-Hoffnung war mit Erreichen der Tribünengeraden an die Spitze geschossen – und obwohl man es zu diesem frühen Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht so recht glauben mochte, war damit bereits alles entschieden. Denn der Muscle-Hill-Sohn stolzierte wie ein Herrscher vorneweg und ließ den Konkurrenten nicht den Hauch einer Chance. Er gehört mit dieser Leistung von jetzt ab zum engsten Favoritenkreis für Deutschlands wichtigstes Trabrennen. Dreieinhalb Längen dahinter verbesserte auch Grace (Michael Nimczyk), die unmittelbar nach dem Start kurz das Kommando hatte und Otero im weiteren Verlauf an der Innenkante gefolgt war, ebenso wie der erst spät gebrachte und im Speed sehr überzeugende Real Perfect (Rudolf Haller) die persönliche Rekordmarke um mehrere Sekunden.

Auch in dem Lauf der Gold-Serie war Franzl mit Azimut (5:1) nicht Favorit, sondern diese Bürde musste Gustavson Be (Victor Gentz) tragen, der mit dem für ihn ungewohnten Bänderstart allerdings überhaupt nicht zurechtkam und sich sofort aus der Wertung sprang. Während auch Cachamour (Gerhard Biendl) kurz rumpelte, hatte Prince of Persia (Michael Larsen) vor TomNJerry Diamant (Michael Nimczyk) die Führung übernommen. Die weitere Reihenfolge lautete Rainbow Diamant (Heinz Wewering) vor dem schon in dieser Phase bestens platzierten Azimut und Urbanio (Rick Ebbinge). Als Rainbow Diamant Mitte der Gegenseite nach außen wechselte, hatte Franzl für seinen Schützling endgültig das passende Führpferd gefunden. Auf der Zielgeraden machte sich der Traber der Familien Reber und Werner in 13,3/1.900m nahezu spielerisch frei, während Rainbow Diamant das zweite Geld vor dem ebenfalls fein durchziehenden Urbanio ergatterte. Der Siegerstrauß blieb dem nur drittplatzierten Rick Ebbinge damit also verwehrt. Aber der neue Weltmeister hatte schon gleich nach dem ersten Rennen im Winner-Circle die Glückwünsche zu seinem phänomenalen Auftritt in Schweden und den errungenen Titel erhalten.                  
Zweimal ging es in den aufgrund eines Defekts des Startautos durch Anfahren begonnenen Rennen um jeweils 6.000 Euro Preisgeld. In der Silber-Serie war der von Michael Nimczyk präsentierte Laurel Park in 13,8/1.900m eine Macht. Der Hengst aus dem Stall von Ulrich Mommert zog vor den Tribünen an die Spitze, ließ dann den außen drückenden Glaedar (Thomas Panschow) vorbei und übernahm auf der Gegenseite nach einer Rochade erneut das Kommando. Obwohl Golden Future mit Gerhard Biendl im Einlauf, ganz vom Ende des Feldes kommend, in grandioser Manier heranflog, bestand für den tapfer durchziehenden Laurel Park keine Gefahr und Gerhard Biendl musste sich mit seinem Schützling mit dem Ehrenrang vor dem ebenfalls überzeugenden Glaedar zufriedengeben. In der gleich hoch dotierten Newcomer-Serie konnte sich der bayerische Spitzentrainer aber erfolgreich revanchieren, denn hier führte der Profi Timberlake Diamant aus dem Besitz der Familie Schwarz auf die Ehrenrunde, während Michael Nimczyk mit Irma la Douce hinter dem überraschend starken Fighter Pilot (Mykola Volf) nur Dritter wurde. Timberlake Diamant hatte mit Erreichen der Tribünengeraden das Heft in die Hand genommen und Gerhard Biendl war über den Treffer in 15,3/1.900m begeistert: „Es war ein sehr leichter Erfolg – ich musste mein Pferd zu keinem Zeitpunkt ausfahren.“      

Von den Siegern der weiteren Prüfungen erhielten besonders Louisa und Thomas Panschow viel herzlichen Applaus, denn das Sulkygespann hatte sich einen vollen Erfolg längst verdient. Panschow hatte die Stute vor den Tribünen entschlossen an die Spitze beordert und die Achtjährige gewann sehr souverän. Unicorn Diamant schwang in der Hand von Kornelius Kluth ebenfalls ein eisernes Zepter und schoss schon nach wenigen Metern an die Spitze. Seinen zweiten Sieger, nämlich den ebenfalls in den roten Jauß-Farben laufenden Lord Good Wood, setzte der einmal mehr in großer Form agierende Norddeutsche ähnlich offensiv ein. Ganz anders lief es beim Erfolg von Georgies Matador, denn Michael Greifes Wallach wurde von Dennis Spangenberg, für den es zugleich der erste Sieg als Trainer war, erst auf der Zielgeraden in die Schlacht geworfen. Mit Man U stellte Michael Nimczyk einen hochtalentierten Dreijährigen vor, der ebenfalls erst beim Erreichen des Einlaufs richtig ernst machte und mit vier Längen Vorsprung auf und davon ging. Auch Dark Look (Mykola Volf) zog auf den entscheidenden Metern eisern durch. Er wäre aber wohl gegen den zweitplatzierten Brandy Hornline (Manfred Zwiener) nicht nachhause gekommen, wenn sich der Kontrahent eine frühe Galoppade verkniffen hätte. Ganz erstaunlich war die Quote der V7+. Obwohl unter den Siegern kein einziger krasser Außenseiter dabei war, hatte nur ein einziger Wetter die Reihenfolge richtig vorhergesagt und kassierte für seinen Tipp über 10.000 Euro ab!        

Gesamtumsatz:  135.451,97 Euro – Bahnumsatz:  42.976,45 Euro – Außenumsatz:   92.475,52 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 16. Juni statt. Im sportlichen Mittelpunkt stehen das mit 10.000 Euro dotierte Warm-up zum Buddenbrock-Rennen und die Newcomer-Serie.