Jaap van Rijn nutzt die Gunst der Stunde

Jaap van Rijn nutzt die Gunst der Stunde
Nachschau Gelsenkirchen, 18.04.2019


Der Niederländer gewinnt vier Rennen – Quartier Nimczyk zieht alle Starter zurück – Defekter Wasserwagen und schwierige Bodenverhältnisse sorgen insgesamt für 29 Nichtstarter – Casanova d’Amour in Tagesbestzeit turmhoch überlegen – Call me Brixton und Alexandra Kulka siegen als 576:10-Außenseiter
(GelsentrabPR) – Ein kurz vor Beginn der Rennen ausgefallener Wasserwagen sorgte am Donnerstag für einigen Wirbel auf der Trabrennbahn in Gelsenkirchen und war schließlich Ursache für eine erhebliche Abwertung des eigentlich stark besetzten Programms.
Die fehlende Bewässerung zog bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die 20 Grad selbstverständlich eine Verschlechterung der Bahnverhältnisse nach sich, sodass sich etliche Ställe entschieden, ihre Pferde sicherheitshalber nicht in den Wettkampf zu schicken. Insgesamt 29 Teilnehmer wurden mit Genehmigung der Rennleitung gestrichen, darunter sämtliche Pferde aus dem Erfolgsquartier der Familie Nimczyk.
Viererpack von Jaap van Rijn
Die Abwesenheit des Champions nutzte insbesondere sein Verfolger in der Gelsentrab-Fahrerstatistik, Jaap van Rijn, der nicht weniger als vier seiner fünf Fahrten ganz vorne beendete und mit dem »Wettstar April-Pokal« auch das sportliche Hauptereignis an sich riss.
Bei inzwischen wieder sehr viel besseren Bodenverhältnissen – der Veranstalter hatte bis zum Beginn der zweiten Rennhälfte Ersatz für den defekten Wasserwagen organisieren können – beorderte der junge Niederländer Thai Investment nach dem Start sofort an die Spitze des nur noch vierköpfigen Feldes, in dem u. a. »Breeders Crown«-Siegerin Goldy Stardust fehlte, und ließ es dort zunächst ruhig angehen. Erst auf dem zweiten Kilometer lockerte van Rijn peu à peu die Bremse und gewann mit einem Schlusssprint in 1:11,3 am Ende ganz sicher.
Der erstmals gegen ältere Konkurrenten antretende Very Impressive S (Cees Kamminga), der im vergangenen Jahr zu den besten Vertretern des »Derby«-Jahrgangs zählte, lief bei seinem Comeback zwar noch bis auf eine »Hals«-Länge an den Favoriten heran, konnte ihn aber nicht mehr ernsthaft in Gefahr bringen. Zwei Längen zurück erreichte Thai Investments Stall- und Trainingsgefährte Glen Ord Superb (Henk Grift) den Pfosten als Dritter, während Uranium (Peter Hillen) nach Fehlern leer ausging.
Neben seinem Sieg als Catch Driver für Henk Grift verwandelte Jaap van Rijn bei der Gelsenkirchener Abendveranstaltung drei »Elfmeter« mit Trabern, für die er auch als Trainer verantwortlich zeichnet. Nach dem Doppel-Erfolg für Besitzer Karsten Hellmers mit Ijsvink und Forex dürfte sich das Nachwuchstalent vor allem über den Volltreffer mit Samson Ris gefreut haben. Der Achtjährige präsentierte sich nach zwei eindrucksvollen Siegen am Nienhausen Busch erneut in prächtiger Verfassung und ließ die drei Gegner alt aussehen. Mit dem Kommandostab in der Hand marschierte der in Italien gezogene Crowning Classic-Sohn munter vorweg und verlangte zwischenzeitlich einigen Kraftaufwand von seinem Fahrer, um ihn zu zügeln. Ende der Überseite hatte Jaap van Rijn dann ein Einsehen und gab seinem Partner den Kopf frei, woraufhin der sich gleich um einige Längen verabschiedete und die von Agostino (Reinier Feelders) und dem Stallgefährten Fanatic Star (Eugene van den Berg) angeführte Gegnerschaft nicht mehr in seine Nähe ließ.
»Casanova« sucht und findet sein Heil in der Flucht
Genauso beeindruckend wie Samson Ris war der Sieger im »Preis von Alencon« für Pferde französischer Abstammung. Casanova d’Amour (Jochen Holzschuh) nutzte die Gunst der Stunde und setzte sich aus dem ersten Band heraus im ersten Bogen vor das Feld. Dort legte er fortan eine flotte Sohle auf das Paket, schüttelte die Verfolger nach etwa einer Runde ab wie lästige Fliegen und war beim ersten Saisonsieg in Tagesbestzeit von 1:14,8 / 2.025 Meter schlussendlich hoch überlegen. Erst mit »Weile«-Abstand erreichte Cover Dream (Remco Loman) den Pfosten als Zweiter vor Cocomoko.
Paukenschlag zum Finale
Den Schlusspunkt unter die teilweise nach Frankreich übertragene Abendveranstaltung setzte Alexandra Kulka mit einer krassen Außenseiterin. Die Amateurfahrerin war kurzfristig für den erkrankten Andre Baginski eingesprungen und führte Call me Brixton beim 21. Karriere-Start zum ersten Sieg, der beim 150. Engagement zugleich ihr zweiter Volltreffer war. Wer den Überraschungs-Erfolg vorhergesehen und eine Siegwette platziert hatte, durfte sich über die Quote von 576:10 freuen.
Nach der turbulenten letzten April-Veranstaltung steht in Gelsenkirchen am 1. Mai ein Saisonhighlight auf dem Programm. Beim traditionellen »Bild-Renntag« treffen Top-Traber einmal mehr auf eine Vielzahl von zweibeinigen Stars und Sternchen wie bspw. Pietro Lombardi. Sportlich steht der mit 20.000 Euro dotierte »Bild-Pokal« im Mittelpunkt.