Thorsten Tietz in Glanzform

Thorsten Tietz in Glanzform
Nachschau Berlin-Mariendorf, 14. April 2019


Der Profi gewinnt drei Rennen – darunter die beiden Top-Highlights der Veranstaltung. Thomas Heinzig erweist sich einmal mehr als absoluter Favoritenschreck und sorgt für diverse Jackpots. Der von Victor Gentz präsentierte Gustavson Be erzielt die Tagesbestzeit.         
Den einen oder anderen von ihnen wird man sicherlich schon bald auf der Derby-Bahn wiedersehen: In dem mit 10.000 Euro Preisgeld dotierten Warm-up zum Adbell-Toddington-Rennen stellten sich sechs talentierte Dreijährige dem Publikum vor. Als Sieger trabte Gwendoline Go vom Platz. Ihr Trainer Thorsten Tietz hatte die Tochter der gutklassigen Giverny (57.578 Euro Gewinnsumme) sofort an die Spitze gesteuert und die Stute der Familien Baumer und Stuber gab das Zepter in der vorzüglichen Kilometerzeit von 15,5/1.900m bis zum Zielpfosten nicht mehr ab. Hinter der Braunen sicherte sich die erst im Einlauf gebrachte Jamaica Ferro (Rob de Vlieger) vor dem innen geschonten River Flow (Thomas Panschow) den zweiten Rang. Bitter Lemon (Michael Schmid) mischte nach einem Verlauf als Vierter außen ebenfalls sehr gut mit, während Clear Easy (Michael Nimczyk) nach einem Rennen in der Todesspur auf den endscheidenden Metern nachließ. Dies war aber wohl eher der noch fehlenden Routine geschuldet – genügend Kapazität scheint vorhanden zu sein.
Wenn schon, denn schon – das war auch beim zweiten großen Höhepunkt der Veranstaltung das Motto von Thorsten Tietz. Denn im Newcomer-Lauf um 6.000 Euro Preisgeld trug der mehrfache Berliner Champion seinen Schützling Gingerbell auf genau dieselbe offensive Art und Weise vor. Die Vierjährige aus dem Besitz von Miryana Braun schoss Ende der Startgeraden nach vorne und hatte im gesamten weiteren Verlauf einen hartnäckigen Verfolger in ihrem Nacken. Nämlich Toscanini Diamant (Michael Nimczyk), der wirklich sein Bestes gab und der in 15,3/1.900m auftrumpfenden Konkurrentin nahezu alles abverlangte. Schon deutliche fünf Längen hinter den beiden Streithähnen kassierte der zuvor ungeschlagene Major Ass (Victor Gentz) seine erste Niederlage. Für Thorsten Tietz war der Siegreigen damit aber noch nicht beendet, denn er holte sich mit Elixir d’Andain auch noch das Trotteur Francais. Der Wallach lieferte sich auf der Schlusshalben ein spannendes Duell mit Edrigo d’Eam (Michael Larsen), das er schließlich mit einer halben Länge Vorsprung gewann.           
Michael Nimczyk kam diesmal auf zwei Treffer. Keinerlei Mühe hatte der Goldhelm mit dem 1:1-Topfavoriten UBetterWin Diamant, der eingangs des trotto.de-Bogens an die Spitze stürmte und vier Längen vor der ebenfalls überzeugenden Danina A P (Heiner Christiansen) über die Ziellinie lief. Die stets zuverlässige Estrella AV (Klaus Daust) erkämpfte sich mit feinem Einsatz den dritten Rang. Michael Nimczyk war von der Leistung seines Schützlings vollauf begeistert: „Wenn ich es gewollt hätte, wäre UBetterWin Diamant bestimmt sofort nach vorne gegangen, denn er ist ein sehr startschnelles Pferd. Ich habe es auf den ersten Metern aber bewusst ruhig angehen lassen, damit der Wallach unterschiedliche Rennverläufe kennenlernt.“ Überaus zufrieden durfte der 32-jährige Profi gleich im Anschluss auch mit Irma la Douce sein, die im ersten Bogen das Kommando übernahm und den außen herum enorm starken Riesenaußenseiter Arkadiusz Simoni (Thomas Heinzig) in 15,5/1.900m mit zweieinhalb Längen Vorsprung in Schach hielt.
Er kennt derzeit kaum noch Niederlagen: Gustavson Be zog mit seinem Trainer und Fahrer Victor Gentz einmal mehr in den Mariendorfer Winner-Circle ein, und zwar in der Tagesbestzeit von 14,0/1.900m. Doch der unterwegs an vierter Stelle außen positionierte Fuchswallach machte es diesmal ausnahmsweise mächtig spannend: Denn nachdem der vor ihm liegende Locarno (Michael Nimczyk) Ende der Gegenseite unvermittelt angesprungen war, musste Gustavson Be in der rasanten 12,2-Schlussphase gewaltig strampeln, um seinen Trainingsgefährten Harley As (Cynthia Lüdicke), der die Führungsarbeit übernommen hatte, noch erfolgreich abzufangen. „Der Sieg fiel aber viel sicherer aus, als es für das Auge ausschaute“, lautete Victor Gentz‘ Statement im anschließenden Interview. „Ich hatte mir zu keinem Zeitpunkt ernsthafte Sorgen gemacht.“   
Eine exquisite Vorstellung – sehr zur Freude seines extra aus dem Norden angereisten Besitzers Mijo Ivic – lieferte der erstmalig von Daniel Wagner gesteuerte und bei 8,8:1 notierte Kjeld von Haithabu ab. Der Hengst lag zunächst an dritter Position innen und als Ende der Gegenseite der vor ihm platzierte Herbie Dot (Manfred Zwiener) galoppierte, schritt Daniel Wagner zur Tat. Kjeld von Haithabu rückte dem führenden Free Bird (Michael Nimczyk) mächtig auf die Pelle und eroberte sich hundert Meter vor der Linie den entscheidenden Vorteil. Sein Saisondebüt in 15,3/1.900m macht Geschmack auf mehr!
Im direkten Anschluss schien es mit Edana für Daniel Wagner ebenfalls auf einen Sieg hinauszulaufen – doch dann machte ihm Madia Red CR aus dem Besitz von Rainer Freiberg einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Unterwegs war von der Stute, die zuvor bei ihren 94 Starts noch nie einen vollen Erfolg erzielt hatte, in dem Mammutfeld der 13 Teilnehmer zwar kaum etwas zu sehen. Doch im Einlauf verlieh ihr Fahrer Thomas Heinzig der bei 57,1:1 gehandelten Neunjährigen regelrecht Flügel und sie machte ihren ersten Volltreffer in 15,7/1.900m mit einem satten Vorsprung von drei Längen perfekt. Mit der Fuchsstute hatte nahezu niemand gerechnet. Sie sorgte für Jackpots in der V7+ sowie der Dreier- und Viererwette. Thomas Heinzig, dem in den letzten Monaten schon einige spektakuläre Coups gelungen waren, machte damit endgültig seinen Ruf als Favoritenschreck perfekt. 
Einen ganz tollen Karriere-Einstand lieferte Holger Tillmanns Lisa Liseux in der Hand ihres Trainers Michael Larsen ab. Obwohl sich die Ready-Cash-Tochter das Rennen außen herum selber gestalten musste, zog sie im Einlauf mit zwei Längen Vorsprung an dem Tempomacher Englishtown (Michael Nimczyk) vorbei – und zwar in der exquisiten Kilometerzeit von 15,2/1.900m. Ein überaus gelungenes Debüt! Ähnlich sehenswert war der Erfolg von Andreas Marx und Bonjour Ganyboy AM in der einzigen Amateurprüfung der Veranstaltung. Nachdem das Gespann zunächst an dritter Stelle innen platziert war, begab es sich im Schlussbogen vehement auf den Vormarsch. Als Bonjour Ganyboy AM im Einlauf seine Nüstern energisch in Front steckte, konnte selbst die recht spät gebrachte und keineswegs enttäuschende Favoritin Nelly Pepper (Uwe Stamer) nichts Entscheidendes mehr ausrichten und musste sich mit dem Ehrenrang zufrieden geben.               
Gesamtumsatz: 119.225,19 Euro – Bahnumsatz: 38.146,70 Euro – Außenumsatz:  81.078,49 Euro.
Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Karfreitag, dem 19. April statt. Beginn ist um 13.30 Uhr. Im sportlichen Mittelpunkt steht einer der großen Berliner Sulky-Klassiker: das inklusive der Vorläufe mit über 20.000 Euro dotierte Fritz-Brandt-Rennen.