Out of the Slums – rein in die High Society

Out of the Slums – rein in die High Society
Nachschau Berlin-Mariendorf, 27.01.2019
 
Im Gegensatz zum Aprilwetter im Januar - bei 7 Grad wechselten sich dichte Wolken, aus denen gelegentlich ein paar Regentropfen fielen, und Sonnenstrahlen munter ab - kannte die Regie, was die Rennverläufe betraf, fast nur eine Szene für die späteren Sieger, die da lautete: Früh in Front fahren und niemanden vorbeilassen. Einziger Ausreißer aus dieser Prozedur, die zudem extrem favoritenlastig daherkam und die vermutlich eher unglücklichen richtigen Spürhunde für die V4-Wette mit 147:10, für die V5-Aufgabe mit 885:10 wenig spendabel entlohnte, war ausgerechnet der als extremer Frontrenner verschriene Harley As. Der Fuchs stiefelte zwar mit gewaltigem Antritt nach vorn, doch hatte Victor Gentz nichts dagegen, sich von Favorit Tragopan Jet nach 600 Metern ablösen zu lassen. Was nach einer schwierigen Kiste Richtung Freiheit zu werden drohte, weil Franz Klein mit Opalis die Bude zuzunageln drohte, entwickelte sich zur leichten Übung, als die tapfere Stute nicht mehr ganz mitkam. Die Lücke nutzen und zum lockeren Eine-Länge-Sieg in der Tagesbestzeit von 1:14,7 davonstieben waren fast ein Kinderspiel für den immer umgänglicher werdenden Wallach, „der sich gerade in den Bögen zunehmend besser regulieren lässt. Das war vorher seine Schwachstelle, die wir gut in den Griff bekommen haben“, verriet Victor Gentz beim Siegerinterview.
 
Ansonsten waren die Pferde aus drei verschiedenen Trainingszentralen des Stalles Mommert für den roten Faden der Veranstaltung zuständig. Den Reigen eröffnete Thomas Panschow mit der von Michael Larsen vorbereiteten Elsa Hanover, die für 19:10 vor dem Feld ihre einsamen Kreise zog und 2½ Längen vor Giacomo und dem in der Todesspur nicht durchdringenden Flying Marceaux beim fünften Versuch ihrer immer wieder für längere Zeit unterbrochenen Karriere die Maidenschaft ablegte. So, wie sie die heutige Aufgabe im schlanken Gang löste, sollte die kleine Schwester des großen Cash Hanover lang Versäumtes rasch nachholen.
 
Danach regierte Trainer und Fahrer Thomas Holtermann für den Mariendorfer Bahnbesitzer zweimal in Folge mit eiserner Faust. Zwar musste er mit Ear to Earth zunächst Grazia Greenwood das Sagen überlassen, bekam jedoch von der Stute auf nachdrückliches Bitten den Staffelstab eine Runde vor Schluss überreicht und gab ihn nicht wieder her. „Ist vorn und bleibt dort“ hieß es 25 Minuten später für Meghan Trainor, die Start-Ziel regierte wie eine Fürstin und nach 400 Metern der zarten Anfrage Exclusive Fires ums Kommando ein klares „No“ entgegen schmetterte. Der dritte Sieg in Folge der wie Ear to Earth auf dem Gestüt Westerau zur Welt gekommenen Manofmanymissions-Tochter fiel mit fünf Längen Vorsprung turmhoch überlegen aus und bescherte ihren vielen Anhängern bei 14:10 die niedrigste Sieg-Quote des Tages.
 
Nur zwei Punkte mehr gab’s für den Schweden Out of the Slums, der den langen 2500-Meter-Kanten wie von Robbin Bot vorhergesagt leicht beherrschte: „Die 20 Meter macht er bei seiner Startschnelligkeit in Windeseile wett“, hatte der Ersatzmann für den in Vincennes weilenden Michael Nimczyk prophezeit, „einzig Gobelin könnte uns ein wenig Kopfzerbrechen bereiten.“ Genau der bekam den Bänderstart unerwartet zügig hin und setzte sich nach einer halben Runde vors Feld. Da war der einstige Sieger des Shootingstar-Cups bereits auf dem Vormarsch, bekam wenig später den Taktstock auf dem Silbertablett überreicht und ließ ihn sich nicht mehr entreißen, so sehr sich Gobelin auch ins Zeug legte. Das war zugleich der vierte Punkt für den Stall von Ulrich Mommert und der zweite für Wolfgang Nimczyk. In ähnlicher Manier hatte Bot drei Rennen zuvor William Scott für den deutschen Trainerchampion nach Hause geschaukelt, wobei er nach einer total verbummelten Partie höllisch auf der Hut sein musste: Im spannendsten Finish des Nachmittags bekam nicht etwa die in seinem Windschatten lauernde Maine, sondern Tiffany Diamant im Einlauf auf einmal enorm flinke Beine und flitzte auf einen „Hals“ heran.
 
Das richtige Gespür für Gegner und Geläuf hatte im ersten Amateurfahren Smilla und schaffte in der Hand von Uwe Stamer beim achten Engagement endlich den ersten Sieg, nachdem sie im Vorjahr in Trial-, Standard- und PMU-Rennen als stets vorn Platzierte ordentlich was in die Kasse getrabt hatte. Umso leichter fiel der stramm marschierenden Sam-Bourbon-Tochter der überlegene Neun-Längen-Treffer, weil sich die ausgeguckten Hauptgegner Magister und Ring the Bell am Start erheblich versäumt hatten.
 
Noch einmal kam Sam Bourbon als Erzeuger zu Ehren: Franz Klein setzte sich mit Sammy gegen Bonjour Ganyboy AM verblüffend leicht für die Frontlage durch, schob dort einen Kilometer lang eine ruhige 1:21-Kugel und hatte hinten heraus so viel Körner intus, dass ihm auch der von Iris Kopp umsichtig innen gehaltene Falco nicht ans Leder kam. Mit 56:10 sorgte er für die höchste Sieg-Quote des Tages.
 
Den letzten Farbtupfer setzte der Bayer Adonis CG, dessen Mariendorfer Weste beim vierten Besuch so makellos blieb, wie es sich für einen Gott der Schönheit gehört. Er erbte das Zepter von der wie der Deibel vorneweg rasenden Let’s Twist a Lot, die im zweiten Bogen schwer aus dem Dreh kam. Fortan konnte sich Josef Sparber 40 Meter vor den Verfolgern alles bestens einteilen; erneut war am Totalisator bei 18:10 Schmalhans Küchenmeister.
 
Umsatz bei 9 Rennen: 109.452,26 Euro (incl. 79.363,16 Euro Außenumsatz)
 
Nächster Renntag des BTV: Sonntag, 10. Februar 2019