Grand mit Vieren für Michael Nimczyk und Ulrich Mommert

Grand mit Vieren für Michael Nimczyk und Ulrich Mommert
Nachschau Berlin-Mariendorf, 09.12.2018

Fast total im Zeichen der Profis, die zehn der elf Prüfungen bestritten, stand der 2. Advent. Von denen war Michael Nimczyk der unbestrittene Meister aller Klassen und heftete sich vier Siege ans Revers, womit er auf deren 198 fürs laufende Jahr kommt. Nachdem er zunächst Victor Gentz mit Simba Diamant und den ewigen Goldhelm Heinz Wewering mit Mon Filou, die sich als Favoriten nach fast identischen Verläufen über die Todesspur knapp nach Hause rauften, das Feld hatte überlassen müssen, war die Derby-Bahn wie so oft in dieser Spielzeit „sein Feld“. Mit dem von seinem Vater Wolfgang vorbereiteten Skyfall knöpfte er 1200 Meter vorm Ziel Falco die Führung ab und herrschte fortan mit dem ersten Sieger aus dem Stall Mommert in der Tagesbestzeit von 1:15,1 souverän. Vielleicht hätte ihn Tragopan Jet ohne seinen Startaussetzer mehr zwicken können, doch nach reichlichem Bodenverlust blieb dem Italiener hinter dem sich aus der Deckung stark präsentierenden Harley As dann doch nur Rang drei. Einmal auf den Geschmack gekommen, führte der alte und neue deutsche Champion mit Cora Sun, für die Thomas Holtermann verantwortlich zeichnet, die Rivalen nicht minder eklatant vor. Eine Runde lang versteckte sich die Schwarzbraune im Windschatten der mächtig gegen die Hand gehenden Girlofmanymissions, deren Mission spätestens mit Beginn der Zielgeraden beendet war, und flitzte überlegen zum ersten Erfolg ihrer vier Starts umfassenden Karriere davon.
 
Dritter Sieger für das Erfolgsteam Mommert / Nimczyk war der wiederum im Westen vorbereitete Out of the Slums, der damit seine Vorliebe für die Derby-Bahn unterstrich. Hier hatte er sich 2016 den Shootingstar-Cup wie 2017 die Derby-Meisterschaft der Amateure einverleibt, hier war er auf dem 2520 Meter langen Kanten erneut eine Macht. Früh in Front gedüst, legte der gebürtige Schwede den entscheidenden Zahn zu, als ihm Gobelin im Schlussbogen energisch auf selbigen zu fühlen begann, und wehrte auch den gut angesetzten Endspurt Willow Bay Everts ab. „Er ist ein Kämpfer vor dem Herrn. Als ich in der letzten Kurve die Zaumkulissen gezogen habe, ging durch ihn noch mal ein richtiger Ruck.“
 
Anschließend diente er einem fremden Herrn, der mit Magdalena Kinieksman eine Dame war. Hinter ihrem Diego du Bellay, der allmählich zu seinem „Lieblingsfranzosen“ avanciert, saß der 32jährige zum vierten Mal und bugsierte ihn genauso oft in den Winner Circle, nachdem er das hinter ihm recht unterhaltsame Treiben der Franzosen-Traber Start-Ziel vorneweg nach Belieben beherrscht hatte. Dann allerdings war für ihn Schluss. Sekt und Blumen für die 200 konnte der Veranstalter zur Seite stellen.
 
Kein Glück brachte die „13“ Lord Good Wood und seiner neuen Besitzerin Marion Jauss. Der scheinbar souverän führende Hüne quittierte den Druck, den Andreas Gläser mit Höwings Winston im Einlauf aufbaute, mit einer Galoppade, hätte aber auch ohne diese nicht gewonnen gegen den in Schweden eingetragenen Revenue-Sohn, der die Berliner Rechtskurse zu genießen scheint: Drei Ehrenplätze und zwei Siege stehen nun für ihn zu Buche, seit er von Peter Untersteiner zum Karlshorster Trainer gewechselt ist. Besser lief es auch für des Lords alte und neue Stallkameradin Woodbrown Beauty nicht. Die bei vier Starts unbezwungene „Beauty“ war, unterwegs mächtig pullend, nach einer Runde wegen massiver Atemprobleme stehend Ko. Nutznießer war Ear to Earth, der mit seinem Trainer Thomas Holtermann durchzog wie vom anderen Stern und zum spektakulärsten Sieger des Tages avancierte. „Bleibt er gesund, gehört er zu den besseren Pferden der Generation 2014 und hat reichlich Luft nach oben“, hatte der bekennende BVB-Fan nach dem von „seiner“ Dortmunder Borussia gegen Schalke gewonnenen Revier-Derby an diesem Wochenende einen zweiten deftigen Grund zum Jubel. Zugleich war dies der vierte Erfolg für Mariendorfs Bahneigentümer Ulrich Mommert, an dessen Engagement das Wohl und Wehe der Derby-Bahn und zu einem guten Stück des deutschen Trabrennsports hängt.
 
Danach kamen die „Kleinen“ zu Wort: Die von Isabel Jauß gezüchtete, seit längerer Zeit für den Stall GESVEA aktive Laufey blies trotz nicht einfachen Verlaufs dem führenden 10:10er Sandsturm um eine Länge das Licht aus, was selbst für Alexander Kelm unerwartet kam: „Eigentlich sollte es nur ein Aufbaurennen werden, doch dann war sie stärker als gedacht.“ Marion Jauss durfte sich über ihren Perfect Hall freuen, mit dem Andre Pögel eine perfekte Generalprobe für den Weihnachtspokal der Amateure ablieferte. Zu Beginn klappte der Vierjährige etwas nach, rückte bald zügig vor, übernahm eine Runde vor Schluss das Kommando und war bei gleichmäßig hoher Fahrt von nichts und niemandem zu erschüttern. „Sechster Start, sechster Sieg mit ihm - was will man mehr. Das Standardrennen kann kommen“, ist der Schmied zu Recht überzeugt, in 14 Tagen ein brandheißes Eisen im Pokalfeuer zu haben.
 
Turbulent ging’s im abschließenden Rennen zu, bei dem der schon beim Fehlstart gesprungene Jorma Bo auch beim gültigen „Ab“ weit vor der Startmarke wilde Sätze machte, dennoch nach der Hälfte der Strecke vorn auftauchte und nach diesem Transport im Schlussbogen fast folgerichtig schachmatt war. Dort fiel mit Yen auch der zweite „Comebacker“ aus. Und weil die in Front arg massierte Late Night Show bald nicht mehr konnte und Sansibar Diamant zu Anfang reichlich Terrain verschenkt hatte, nutzte Thorsten Tietz die unverhoffte Chance, Maine zum fünften Mal in diesem Jahr als Erste an den Zielstrich zu wuchten. „Ausgerechnet hatte ich mir im Vorfeld wenig, aber alles lief für uns ideal“, bilanzierte der sich in Berlin rar machende 41jährige, der versprach, für Besserung zu sorgen: „Ich werde bald vermehrt junge und ihre Pause beendende Pferde an den Start bringen.“ Der hiesige Rennsport kann’s brauchen.
 
Umsatz bei 11 Rennen: 133.526,65 Euro (incl. 92.511,35 Euro Außenumsatz)
 
Nächster Renntag des BTV: Sonntag, 23. Dezember 2018