Zwei Kronen für Goldy Stardust und Azimut

Zwei Kronen für Goldy Stardust und Azimut
Nachschau Berlin-Mariendorf, 22.09.2018

Die beiden Ausnahmetraber gewinnen die hochdotierten Breeders-Crown-Hauptläufe der fünf- bis siebenjährigen Traber.   

Der erste Tag des Mariendorfer Breeders-Crown-Meetings 2018 gehörte voll und ganz den älteren Vierbeinercracks. In den beiden Hauptläufen der fünf- bis siebenjährigen Pferde wurden jeweils 52.710 Euro Preisgeld ausgeschüttet. Rechnet man noch die fünfzehnprozentige Züchterprämie hinzu, standen also 120.000 Euro Gesamtdotation für die zwei- und vierbeinigen Protagonisten auf dem Spiel. Die Ladies kamen als erste an die Reihe und das Spektakel entwickelte sich zu einem Gala-Auftritt der von Jan Scheffer gezüchteten Goldy Stardust und ihrem ständigen Begleiter, dem Deutschen Meister Michael Nimczyk. Goldy holt Gold – daran bestand bereits im Vorfeld für die Fans kaum ein Zweifel, denn das Publikum hievte die Stute auf den klaren 17:10-Thron, zumal ihre vom Papier her gefährlichste Gegnerin Gilda Newport (Heinz Wewering) aus der zweiten Reihe abgehen musste. Wie sich bald zeigen sollte, hatte die vermeintliche Hauptgegnerin allerdings einen rabenschwarzen Tag erwischt. Gilda Newport konnte nie den Anschluss an die Spitze herstellen und war an diesem Tag gemessen an ihren sonstigen Leistungen – so wirkte es zumindest – offenbar nicht im Vollbesitz ihrer körperlichen Kräfte.

Ganz anders Goldy Stardust, die sich nach einem zähen Ringen mit Lesperanza (Christian Lindhardt) ausgangs des ersten Bogens endgültig für die Führung durchgesetzt hatte. Damit war die Entscheidung gefallen: Im weiteren Geschehen ließ Hans Brockers Stallcrack keine ihrer acht Gegnerinnen entscheidend heran. Die eine gute Runde vor dem Ziel in die zweite Spur gewechselte Celestial Light TK (Gerhard Biendl) bemühte sich zwar redlich und versuchte Ende der Gegenseite einen Angriff – aber Goldy Stardust ließ der Konkurrentin, die ausgangs der letzten Kurve  von ihrem Fahrer klugerweise wieder an die Innenkante zurückgenommen wurde, nicht den Hauch einer Chance und verabschiedete sich in 12,3/1.900m mit sechs Längen Vorsprung. Die Stute steht nun vor weiteren großen Aufgaben und ist für das demnächst in Vincennes stattfindende Europachampionat der Fünfjährigen nominiert. Die tapfere Celestial Light TK verteidigte den zweiten Rang gegen Stonewashd Diamant (Jörgen Sjunnesson), die sich auf der Schlusshalben immer besser in Szene gesetzt hatte.  

Eine ebenso herausragende Leistung wie die von Goldy Stardust gab es wenig später im Hauptlauf der Hengste und Wallache zu bestaunen. Und auch dort lag das Publikum mit seiner Einschätzung genau richtig, denn obwohl sich in der Starterliste klangvolle Namen wie die von Cash Hanover und und Halva von Haithabu fanden, die aber als Fünfter bzw. Achter im Anschluss klar unter den Erwartungen blieben, hatten die Zuschauer das größte Vertrauen in Azimut und Josef Franzl. Der für die Farben der Familien Reber und Werner laufende und auch von ihnen selbst gezüchtete Hengst notierte bei 27:10. Doch wer geglaubt hatte, dass Josef Franzl den über einen mörderischen Speed verfügenden Braunen sicherlich erst auf den letzten fünfhundert Metern einsetzten würde, wurde schnell eines Besseren belehrt. Denn der mehrmalige Bayerische Champion drückte sofort auf das Gaspedal. Und tatsächlich: Kurz vor Erreichen der Tribünengeraden hatte Azimut an Tyrolean Dream (Rudolf Haller) vorbei die Spitze erobert.

Dort schaltete und waltete der Odessa-Santana-Sohn ganz so, wie er wollte. Denn Roland Hülskath musste mit dem in zweiter Spur gehenden Halva von Haithabu schon ausgangs des letzten Bogens klein beigeben und auch der dahinter als Vierter außen eigentlich ideal platzierte Cash Hanover (Michael Nimczyk) sendete mit Erreichen der Zielgeraden endgültig Notsignale. Stattdessen wurde ein Pferd immer stärker, mit dem man während des Rennens gar nicht gerechnet hatte: der von Gerhard Biendl gesteuerte Popeye Diamant. Der 372:10-Außenseiter, der unterwegs lange an letzter Position gelegen hatte und erst im Schlussbogen in vierter Spur aufmarschiert war, entwickelte enorme Geschwindigkeit und ergatterte zwei Längen hinter dem in 13,3/1.900m überlegen auftrumpfenden Azimut den Ehrenplatz. Das dritte Geld ging an den konsequent innen gehaltenen Tyrolean Dream, der zwar brav durchzog, dem Sieger aber nie gefährlich werden konnte.                  .   

Neben den beiden Breeders-Crown-Hauptläufen wurden vier Entlastungen für die älteren Pferde ausgetragen. Die erste Prüfung für die fünf- bis siebenjährigen Hengste und Wallache ging an den von Michael Nimczyk präsentierten Locarno, der in 14,1/1.900m bei seinem vierten Sieg hintereinander erneut in der Form seines Lebens agierte und sein Pensum in der Außenspur bravourös bewältigte. Lediglich Gustavson Be (Victor Gentz) kam auf den letzten Metern noch dicht heran. Gute anderthalb Stunden später wuchs der von Kurt Roeges gesteuerte Grande Cunera über sich heraus und siegte in 13,7/1.900m völlig überlegen. Der Hengst zog Ende der Gegenseite seine Siebenmeilenstiefel an und ging auf der Zielgeraden auf und davon, obwohl er mit der Startnummer elf alles andere als eine gute Ausgangslage erwischt hatte. Platz zwei ging an Kilbegann (Wladimir Gening), der ausgezeichneten Speed entwickelte. 

Richtig dramatisch verlief die erste Entlastung der älteren Stuten, denn von Escada und Heiner Christiansen war eigentlich unterwegs gar nicht viel zu sehen – aber genau im entscheidenden Moment waren die 418:10-Riesenaußenseiter zur Stelle. In einem wahren Finish-Thriller, der spannender nicht hätte sein können, setzte sich die erst im Einlauf gebrachte Escada mit einer der besten Leistungen ihrer gesamten Karriere gegen die nur knapp geschlagenen Fantasia Newport (Michael Nimczyk) und Chichen Itza (Dennis Spangenberg) durch. Die zweite Entlastung der älteren Pferdedamen war dagegen eine glasklare Angelegenheit: Gamine Newport übernahm mit Michael Nimczyk vor den Tribünen das Kommando und verwies ihre Verfolgerin Marie Galante (Gerhard Biendl) in 15,0/1.900m mit zwei Längen Vorsprung auf Rang zwei. Für Gamine Newports Besitzer Ulrich Mommert war der Erfolg der zweite Entlastungs-Volltreffer an diesem Nachmittag. 

Das Rahmenprogramm der Veranstaltung konnte sich ebenfalls sehen lassen. Der von Heinz Wewering gesteuerte und am Toto mit einer Quote von 73:10 deutlich unterschätzte Howard T gewann sein Karrieredebut Start bis Ziel. Auch Rayman wurde von Thorsten Tietz recht offensiv eingesetzt und hielt sich bei seinem dritten Saisonsieg erfolgreich die Gegner vom Leib.  Night Star Sam und Michael Nimczyk sicherten sich beim dritten gemeinsamen Triumph hintereinander diesmal schon auf der ersten Tribünengeraden die Führung und gewannen sehr sicher. Auch mit Free Bird, der sich trotz Außenspur keinerlei Blöße gab, punktete der Goldhelm und kam damit auf insgesamt fünf Tagestreffer. Hauchdünn fiel dagegen der Sieg von Jonalu und Franz Klein aus, denn das Gespann fand nach anfänglicher Führung und späterem Verlauf an der Innenkante erst im allerletzten Moment die entscheidende Lücke. Herbie Dot (Manfred Zwiener) war ebenfalls innen positioniert, kam aber rechtzeitiger auf freie Bahn. Sein Erfolg wurde allerdings von einem Unfall unmittelbar nach der Ehrung überschattet, denn der manchmal sehr unruhige Wallach trat der als Scheckdienst tätigen Mariendorfer Mitarbeiterin Katja Stolt mit einem Huf ins Gesicht. Wir wünschen der jungen Frau, die sich eine stark blutende Verletzung zuzog und sofort ins Krankenhaus transportiert wurde, aber ersten Informationen zufolge gottseidank keine bleibenden Schäden erlitt, auf diesem Wege eine schnelle Genesung!           
Gesamtumsatz: 201.277,59 Euro – Bahnumsatz: 68.702,00 Euro – Außenumsatz: 132.575,59 Euro. 

Unser Terminhinweis: In Mariendorf geht es bereits am morgigen Sonntag (23. Sept./ab 13.30 Uhr) mit dem zweiten Tag des Breeders-Crown-Wochenendes weiter. Es ist das wichtigste Ereignis der Berliner Trabrennsaison neben dem Derby. Morgen wird außerdem die mit einem Jackpot in Höhe von 43.000 Euro ausgestattete V7+ ausgespielt! Als Hauptpreis der Prämienausspielungen winkt zudem ein Renault Twingo Life SCe 70 im Wert von 8.500 Euro! Begleitet wird das sportliche Top-Highlight von einem Street-Food-Festival.