Weißblaue Power an der Spree

Weißblaue Power an der Spree
Nachschau Berlin-Mariendorf, 29.04.2018

Bayern-Champ Josef Franzl gewinnt den UllrichEquine-Lauf der Vier- und Fünfjährigen mit Desert King und imponiert obendrein mit Baxter Hill. Victor Gentz feiert ebenfalls einen Doppelsieg. Heinz Wewering und Rainbow Diamant rasen im Gerhard-Krüger-Gedenkrennen zum 12,3-Saisonrekord.    

Bei herrlichstem Frühlingswetter entwickelte sich der Kurztrip in die Hauptstadt für Josef Franzl und seine Crew zu einem Erfolgserlebnis. Der Bayerische Champion schnappte sich mit Stall Germanias Desert King den mit 6.000 Euro Preisgeld dotierten zweiten Lauf der UllrichEquine international Vier- und Fünfjährigen-Serie und strahlte im Anschluss im Winner-Circle: „Das war ein unglaublich leichter Sieg für Desert King – er hätte noch wesentlich schneller laufen können!“ Der Richterspruch unterstrich dieses Statement eindrucksvoll: Denn in 13,4/1.900m trennten den Cantab-Hall-Sohn am Ende ganze fünf Längen Vorsprung von seinen Gegnern. Der Vierjährige hatte rasch die Führung ergattert, ließ dann zwar drückende Kontrahenten kurzzeitig vorbei, übernahm aber eine dreiviertel Runde vor dem Ziel erneut das Kommando. Ende der Gegenseite kam auch Gri Maximus (Thorsten Tietz), der sich eine kurze Startgaloppade erlaubt hatte, immer besser ins Bild. Eine ernsthafte Chance gegen Desert King hatte der Wallach aber ebenso wie der drittplatzierte Simba Diamant (Victor Gentz) zu keinem Zeitpunkt.

Unmittelbar zuvor hatte Franzl schon mit Baxter Hill triumphiert, der sich im Stil eines „Vollbombers“ präsentierte. Und das, obwohl der Crack der Besitzerin Karla Walek zunächst einen mächtigen Trotzkopf offenbart hatte. Denn er war auf den Weg zum Auto kaum zu kontrollieren und brach weg, weshalb Franzl unter Erzwingung eines Fehlstarts  postwendend umdrehte. Auch beim gültigen zweiten Versuch musste der Profi gehörig auf seinen Schützling aufpassen. Baxter Hill bildete daher zunächst einmal das Schlusslicht. Als die kritische Anfangsphase überwunden war, gab ihm sein Trainer aber sofort den Kopf frei. Baxter Hill stürmte durch die vierte Spur heran, übernahm zu Beginn der Tribünengeraden die Führung und ließ den außen attackierenden und am Ende drittplatzierten Ganyboy (Thorsten Tietz) mit Erreichen des trotto.de-Bogens nur kurzzeitig vorbei. Auf der Gegenseite zog der 16:10-Favorit erneut an die Spitze und musste sich auf der finalen halben Runde fortan mit dem ebenfalls vorzüglich agierenden  Angreifer Gustavson Be (Victor Gentz) auseinandersetzen, den er in 13,3/1.900m nach Kampf mit einer halben Länge Vorsprung in Schach hielt.

Eines ist klar: Angesichts des anspruchsvollen Rennverlaufs war die Leistung von Baxter Hill als herausragend zu bezeichnen. Der Hengst gilt nun als einer der Topfavoriten für die am 13. Mai beginnende Mariendorfer Vierjährigen-Serie, in der es um sehr viel Geld geht. Die sechs im Abstand von zwei bis drei Wochen stattfindenden Qualifikationsläufe sind mit jeweils 12.000 Euro dotiert. Im Finale, das am 8. September über die Bühne geht, warten sogar 20.000 Euro Preisgeld auf die Bestplatzierten. Die Rennserie gehört also neben der Derby-Woche und der Breeders Crown zu den ganz großen Mariendorfer Highlights.    
  

Nicht nur Josef Franzl glänzte mit einem Doppelerfolg. Auch Victor Gentz, der sich nach eigener Aussage am Renntag gesundheitlich alles andere als blendend fühlte und ziemlich angeschlagen war, lieferte trotz dieses Handicaps tolle Fahrten ab und gewann zwei Rennen. Mit Tiffany Diamant dürfte der Lauvenburger obendrein in diesem Jahr noch häufiger auf die Ehrenrunde gehen, denn das Saisondebüt der Stute war exzellent. Die bei 61:10 erstaunlich lang gehandelte Stute schoss sofort an die Spitze und strampelte das Pensum in 14,9/1.900m mühelos herunter. Nach genau dem gleichen offensiven Schema punktete Victor Gentz dann im Anschluss mit Exclusive Fire, der in 16,6/1.900m vom Fleck weg meilenweit über seinen Gegnern stand und mit fünf Längen Vorsprung auftrumpfte.
Am Sonntag jährte sich zum ersten Mal der Todestag einer der größten Legenden, die der deutsche Trabersport jemals hervorgebracht hat: Gerhard Krüger. Das ihm gewidmete Gedenkrennen wurde zur Beute von Heinz Wewering und Rainbow Diamant, der über sich hinauswuchs und grandiose 12,3/1.900m auf die Derby-Piste trommelte – ein neuer Saisonrekord! Nach dem Start war der Hengst zunächst nur an fünfter Position auszumachen. Doch vor den Tribünen leitete Heinz Wewering mit seinem Schützling eine furiose Attacke auf den Piloten Soccer (Victor Gentz) ein, die ihm im trotto.de-Bogen endgültig die Führung brachte.

Wer vermutet hatte, dass dieses Pensum wohl zu kräftezehrend für den 19:10-Favoriten gewesen sein dürfte, wurde eines Besseren belehrt. Denn auf den letzten 500 Metern wurden Rainbow Diamants Schritte nicht kürzer, sondern immer länger und er wies den tapferen Soccer überlegen mit drei Längen Vorsprung ab. Eine besonders nette Geste: Für den Pfleger des Siegers des Gerhard-Krüger-Gedenkrennens hatte der langjährige Mariendorfer Traberbesitzer Norbert Schreiter extra einen wertvollen Ehrenpreis gestiftet: eine Pferdeskulptur des bekannten Herstellers Hutschenreuther. Im Winner-Circle wurde wenig später übrigens auch Thomas Panschow begrüßt: Der bei aktuell 2.908 Erfolgen stehende Profi feierte am Renntag seinen 51. Geburtstag.

Und hier die weiteren Ergebnisse: Der von Thorsten Tietz präsentierte New Dawn ging nach seiner langen Verletzungspause und dem unglücklich verlaufenen Comeback endlich wieder auf eine Siegerparade. Der Vierjährige musste die Schlussrunde in der Außenspur bewältigen und bezwang den tapfer gegenhaltenden Piloten Big Boss As (Kornelius Kluth) in 14,7/1.900m nur hauchdünn. Mit dem 21:10-Favoriten Izzi’s Newport übernahm Michael Nimczyk vor den Tribünen das Kommando und bremste zugleich die anfänglich recht schnelle Pace. Im Schlussbogen drehte der Debütant seinen Turbo aber mächtig auf löste sich sofort genügend von seinen Verfolgern, um in 16,8/1.900m sehr leicht mit zwei Längen Vorsprung zu gewinnen.

Zwei Amateurprüfungen komplettierten die Mariendorfer Veranstaltung: Der in seiner Rennlaufbahn leider oft durch Verletzungen gehandicapte Rayman zeigte diesmal sein wahres Gesicht und löste eine passende Aufgabe mit Sarah Kube im Sulky in 14,0/1.900m Start bis Ziel hochüberlegen mit neun Längen Vorsprung. Sehr viel knapper fiel der Sieg von André Pögel und Baschkir aus: Der Wallach der Besitzergemeinschaft von Manuela Rüger und Michael Diermeier rettete sich in 15,4/1.900m mit einem Millimetervorteil vor dem 679:10-Riesenaußenseiter Sean O’Malley (Hermann Weingran-Wunderlich) über die Ziellinie.   
 

Gesamtumsatz: 128.038,79 Euro – Bahnumsatz: 44.756,30 Euro – Außenumsatz: 83.282,49 Euro.
Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 6. Mai statt. Beginn ist um 13.30 Uhr.