Helios endlich wieder auf der Ehrenrunde

Helios endlich wieder auf der Ehrenrunde
Nachschau Berlin-Mariendorf (PMU), 24.01.2018

Michael Hönemann führt den Wallach zum längst verdienten Sieg. Michael Larsen und Kornelius Kluth punkten doppelt. Dank der Riesenaußenseiterin Marinah zahlt die V5-Wette 190.969:10. 

Zumindest wenn man auf den Renntitel des Hauptereignisses am Mittwochabend schaute, war schon ein Hauch von französischer Atmosphäre und die Vorfreude auf den Grand Prix d’Amérique zu verspüren. Der mit stolzen 6.000 Euro Preisgeld dotierte „Coupe d’hiver du VDT“ – eine von insgesamt acht PMU-Prüfungen – war der internationalen Klasse vorbehalten und bot dem von Michael Hönemann gesteuerten Helios das erste Mal seit fast anderthalb Jahren die Gelegenheit, auf eine Siegerparade zu gehen. Seinen letzten Erfolg hatte der Traber – man mag es angesichts seiner treuen Leistungen kaum glauben – tatsächlich am 24. September 2016 gefeiert. Wobei sich „Pinky“ Hönemann den Rennverlauf diesmal im Grunde völlig anders vorgestellt hatte: „Eigentlich wollte ich nach vorne gehen – aber dann war das Anfangstempo so höllisch schnell, dass ich Helios lieber zurücknahm.“ Stattdessen brachte Hönemann den Wallach erst im Schlussbogen so richtig auf Touren – es war die Basis für einen überlegenen Erfolg in 1:15,6 min. auf der langen 2.500-Meter Strecke.    

Zweitplatziert war in dieser Prüfung die von Thomas Panschow vorgetragene Flirty or Dirty und deren Auftritt war weit mehr als eine Nebenrolle. Dies nicht nur, weil die Sechsjährige nach einem geschonten Verlauf an der Innenkante auf den entscheidenden Metern viel Speed aufblitzen ließ – sondern vor allem, weil es der allerletzte Einsatz für sie war. Flirty or Dirty kehrte unmittelbar nach dem Rennen noch einmal in den Winner-Circle zurück und wurde vom Moderator Nicolai Laaser in Anwesenheit ihrer Besitzer und Fans feierlich verabschiedet, um nun die zweite Karriere als Zuchtstute zu beginnen. Für diesen Lebensabschnitt bringt die Braune, die im Oktober 2014 von Cornelis Loman auf der Bahn in Wolvega für den Rennbetrieb qualifiziert wurde, mit einer Gewinnsumme von über 35.000 Euro die besten Empfehlungen mit.     

Eine tolle Generalprobe für seinen Start in Paris lieferte André Pögel ab. Der Hufschmied, der die deutschen Farben am Samstag in Vincennes in dem mit 16.000 Euro dotierten „Coupe d’Europe des Amateurs“ repräsentieren wird, nahm im Sulky von Sayuri Mo Platz und führte die von Michael Larsen trainierte Stute prompt auf die Ehrenrunde. Die Braune ging zunächst nach vorne, musste dann nach einer dreiviertel Runde zwar Il Santo (Sarah Kube) ziehen lassen, drehte den Spieß im Einlauf aber in 15,9/1.900m mit zwei Längen Vorsprung souverän wieder um. Dem mehrfachen Berliner Amateurchampion ist nun zu wünschen, dass es auf dem Plateau de Gravelle ebenfalls so optimal für ihn läuft. 

Nur eine halbe Stunde nach dem Triumph von Sayuri Mo durfte sich Michael Larsen über seinen zweiten Trainersieg an diesem Abend freuen – wobei der sympathische dänische Profi im Sulky von Little Danny diesmal selber Platz nahm. Der Hengst siegte in der Tagesbestzeit von 14,9/1.900m Start bis Ziel und auch dem zweitplatzierten Aggetto (Heinz Wewering), der außen herum noch dicht herankam, darf man eine überzeugende Leistung attestieren. Ausnahmsweise nicht in Berlin dabei war diesmal Little Dannys Besitzer Jürgen Wedemann, was Michael Larsen bei der Siegerehrung schmunzelnd kommentierte: „Normalerweise verpasst Jürgen keinen einzigen Auftritt seines Pferdes – aber diesmal mussten wir ohne ihn klarkommen.“  Mit dieser Ausbeute gab sich der in der Nähe von Flensburg lebende Trabrennfahrer aber noch längst nicht zufrieden und legte mit dem ebenfalls von ihm vorbereiteten Sandsturm noch einen obendrauf. Der Wallach trumpfte  bei seinem Start-Ziel-Sieg in 15,4/1.900m mit sechs Längen Vorsprung auf.    

Für einen absoluten Quotenschock sorgte Kornelius Kluth mit der 1.220:10-Riesenaußenseiterin Marinah. Die von Jörg Schefe trainierte Stute aus dem Besitz von Andrea Hempricht war zuvor noch sieglos, hatte allerdings auch nur 13 Starts bestritten. Kornelius Kluth gab auf den ersten Metern mächtig Gas und verschaffte der Fünfjährigen eine Traumlage als zweites Pferd innen hinter dem Piloten Bosphorus Venus (Thorsten Tietz) und hatte das Glück, an dem im Finish nicht konsequent die Spur haltenden Samuray Diamant (Michael Nimczyk) vorbei auf freie Fahrt zu kommen – ein Sensationsergebnis, das die V5-Wette auf eine Quote von 190.969:10 trieb. Gleich im Anschluss führte Kornelius Kluth, dem an diesem Abend einfach alles gelang, dann den 13:10-Topfavoriten Margeaux in fulminanten 15,0/1.900m auf die Siegerparade. Der Wallach meisterte den anspruchsvollen Verlauf in der Außenspur brillant und fing die zeitweilig überlegen führende Extra Cash (Thomas Panschow) noch sicher ab.   

Thomas Panschow fuhr aber ebenfalls nicht ohne einen Treffer nachhause und bescherte Gameboy Newport den zweiten Erfolg seiner noch jungen Rennlaufbahn. Der Traber der Besitzerin Mandy Scheunemann zog vor den Tribünen im Rush auf und überließ nach einigem Widerstand kurz vor dem trotto.de-Bogen dem von Michael Nimczyk gesteuerten Favoriten Jan Hazelaar, der in dieser Phase bereits Reserven lassen musste, die Position als zweites Pferd außen. Als Gameboy Newport mit Erreichen des Einlaufs selber zum Angriff überging, waren die Würfel schnell gefallen – der clever vorgetragene Fuchs siegte völlig souverän und verwies den nicht hundertprozentig sauber trabenden Gegner auf den Ehrenrang. Einen weiteren Trainerpunkt für Thorsten Tietz gab es durch Navy Blue, deren Fahrleine der mehrmalige Berliner Champion selber in die Hand genommen hatte. Die Stute ließ ihre Gegner nur kurzzeitig gewähren und zog dann konsequent an die Spitze. Sie gewann mit zwei Längen Vorsprung überaus leicht.   

Gesamtumsatz: 94.151,36 Euro – Bahnumsatz: 25.917,00 Euro – Außenumsatz: 68.234,36 Euro. 

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 4. Februar statt. Beginn ist um 13.30 Uhr. Starterangabe für diesen Renntag ist am Montag, dem 29. Januar. Sie erreichen das Mariendorfer Rennsekretariat unter der Rufnummer 030-7401229 bzw. per Mail an starterangabe@berlintrab.de.