Derbywoche beginnt mit Favoritenfestival

Derbywoche beginnt mit Favoritenfestival
Nachschau Berlin-Mariendorf, 28.07.2017

Abano H (Thorsten Tietz) brilliert auf der Steherdistanz – Dennis Spangenberg steuert mit Rossini Diamant und Khalid zwei weitere Trainerpunkte bei – Christian Lindhardt punktet mit den Ultrafavoriten Kashmir und Kelso für das Gestüt Lasbek
 
(mf).  Es war zwar nicht 11 Uhr 11, sondern 15.30 Uhr, als mit dem Zerschneiden des „Blauen Bandes“ die Derbywoche am Freitag offiziell eröffnet wurde, aber ebenso elektrisierend wie bei den Karnevalisten war der Vorgang trotzdem. HVT-Präsident Heinz Tell und Vorstandskollegin Maren Hoever waren mit der historischen Postkutsche vorgefahren, begleitet von Bahneigentümer Ulrich Mommert, BTV-Präsident Axel Reinke sowie den beiden Spitzenprofis Michael Nimczyk und Thorsten Tietz, die schließlich gemeinsam den feierlichen Akt vornahmen, der mit der live vorgetragenen Nationalhymne den entsprechenden Rahmen erhielt.
 
Acht Rennen standen auf der Karte, die als so genannte „PMU-Rennen“ nach Frankreich übertragen wurden. Hatte die deutliche Wetterbesserung in Berlin zuvor noch für eitel Sonnenschein gesorgt, zog bei einigen Wettern ein Gewitter auf, nachdem kurzfristig verkündet worden war, dass entgegen sonstiger Usancen keine Wetten in den französischen Totalisator möglich sein würden. Erfolgreich war diese Maßnahme, die eigentlich zur weiteren Stabilisierung der Quoten beitragen sollte, auf den ersten Blick nicht, da ein leichter Umsatzrückgang zu verzeichnen war, dessen Ursachen aber erst nach genauer Analyse ergründet werden können. 
 
Erster Sieger der diesjährigen Derbywoche, die nach zwei Fehlstarts mit leichter Verzögerung begann, war in einem Franzosenrennen der klar favorisierte Casanova d’Amour, über dessen Erfolg Trainer und Fahrer Jochen Holzschuh nach dem beinahe Start-Ziel herausgefahrenen Treffer gleich doppelt erfreut war: „Bei der wichtigsten Woche des Jahres früh einen Sieger zu steuern, ist immer gut, danach wird man ruhiger“, gab ein entspannter Holzschuh zu Protokoll. „Aber auch, weil es weder beim Casanova noch im Stall überhaupt in jüngster Zeit optimal lief, freue ich mich. Er startet hier nächste Woche noch einmal, hinter dem Auto tut er sich zudem leichter als wie heute beim Bänderstart.“ Leicht taten sich auch die meisten Siegwetter, denn in fast allen Rennen dominierten die klaren Favoriten. Christian Lindhardt punktete zweimal für die kaffeebraunen Farben des Gestüts Lasbek, als er die beiden zuletzt nicht ganz glücklichen Kashmir und Kelso jeweils nach früher Führung nach Hause brachte. Hatte es auf ersteren noch 13:10 gegeben, produzierte Dauerläufer Kelso mit 11:10 die niedrigste Siegquote des Tages. 
 
Viel mehr gab es auch im Rennen der besten Klasse auf Abano H nicht zu verdienen, aber in Anbetracht der erneut großen Überlegenheit, mit der der auch beim vierten Mariendorfer Saisonstart erfolgreiche Wallach auf der Steherdistanz nach schnellem Ausgleich seiner Zulage und übernommener Führung dominierte, war das beinahe schon eine lohnende Quote. Klar hinter dem von Thorsten Tietz einmal mehr in den höchsten Tönen gelobten Klassetrabers, der voraussichtlich in der Rekordmeile ein zweites Mal im Verlauf der Derbywoche an den Ablauf kommen wird, demonstrierte Helios nach vorübergehendem Kommando seine enorme Vorliebe für die Derbybahn und verteidigte das zweite Geld als vorletzter Außenseiter vor dem im Speed nicht vorbeikommenden SJs Junior C. Zwei weitere Punkte für das die Jahresstatistik anführende Tietzsche Trainerquartier steuerte Dennis Spangenberg bei, der damit auf dieselbe Saisonsiegzahl wie der „Chef“ kam und gemeinsam mit ihm und Josef Franzl mit aktuell 37 Treffern an zweiter Stelle in Deutschland liegt. Mit Rossini Diamant, der erwartungsgemäß beim zweiten Start nach kurzer Pause gefördert war, konnte er den Spieß gegen Soccer umdrehen und sich für die jüngste ehrenvolle Niederlage revanchieren. Als Victor Gentz mit dem leicht favorisierten Seriensieger vor der Tribüne bezüglich eines möglichen Führungswechsels anfragte und Spangenberg daran kein Interesse hat, so dass Soccer hinter ihn zurückgenommen wurde, war die Messe gelesen. Ähnlich souverän korrigierte auch Khalid sein letztes galoppbedingtes Scheitern, ließ sich im Mittelfeld außen ziehen und überlief die Führenden im Speed nahezu unaufgefordert. „Es war ein guter Tag, aber kein Traumtag“, bilanzierte Dennis Spangenberg nach dem letzten Rennen, denn zu gern hätte er auch mit Extra Cash gewonnen. Die Debütantin, nach ihrer sensationellen Qualifikation als kaum glaubliche 10:10-Favoritin zum reinen Geldwechselkurs gehandelt, war jedoch im ersten Bogen an der Spitze von den Beinen gekommen. „Keine Ahnung, was da los war“, erläuterte ihr Fahrer, „vielleicht hat sie sich erschrocken oder was auch immer, bei so jungen und unerfahrenen Pferden kann das passieren.“ Goldhelm Michael Nimczyk, der der Szene die unblutig übernommene Führung zu verdanken hatte, nahm es gelassen, seine Zufriedenheit war Moderator Nicolai Laaser bei der ersten Zieldurchfahrt nicht entgangen: „Es stimmt, ich musste schon ein wenig schmunzeln, natürlich nicht aus Schadenfreude, aber in dem Moment stand praktisch fest, dass es für meine gut gehende I Want You kaum noch ein Verlieren geben konnte.“ So durften sich seine Fans über die stattliche Siegquote von 75:10 freuen, schließlich war die siegreiche Stute aus dem Stall von Ulrich Mommert eine von nur zwei denkbaren Alternativen zu Extra Cash gewesen. 
 
Eine gewisse Zufriedenheit strahlte auch Heinz Wewering aus, der nach zwei fehlerhaften Vorstellungen von Jorma Bo wieder einmal den Winner-Circle aufsuchen durfte. „Wir wissen ja alle, dass der Start sein Problem sein kann. Diesmal haben wir es mit einer Kopfstange versucht, da war er super zu regulieren und konnte nach übernommenem Kommando seine ganze Stärke ausspielen.“ 22:10 kassierte der Anhang des Rekordchampions, da Flash di Quattro noch etwas kürzer gehandelt wurde, beim Comeback nach langer Pause aber als Vierter noch nicht ganz an alte Stärke anknüpfen konnte.
 
Gesamtumsatz: 159.580,60 € - Bahnumsatz: 61.967,60 € - Außenumsatz  - 97.613,00
 
Am Wochenende stehen die Renntage zwei und drei der Derby-Woche an. Samstag werden die Finalisten für das Stuten-Derby ermittelt, Sonntag die zwölf Hengste und Wallach, die im „offenen“ Derby-Finale starten. Veranstaltungsbeginn ist jeweils um 12.30 Uhr.