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Der große Tag der Sarah Kube

Der große Tag der Sarah Kube
Nachschau Berlin-Mariendorf, 14.04.2017

Ladies First: Die Berlinerin gewinnt zwei Vorläufe und das Finale des Fritz-Brandt-Rennens 2017. Die beiden Adbell-Toddington-Trials gehen an Roland Hülskath und an Thorsten Tietz, dem sensationell acht Trainersiege gelingen.   
 
Zwölf Jahre lang konnte kein Berliner Fahrer mehr das Fritz-Brandt-Rennen gewinnen - den schon seit 1933 ausgetragenen Amateurklassiker. Doch seit diesem Karfreitag ist die Negativserie der Hausherren Geschichte. Denn eine Ur-Mariendorferin beendete die lange Durststrecke: Sarah Kube, die als Kind in unmittelbarer Nähe der Derby-Bahn aufwuchs und deren Elternhaus nur wenige Meter von jener Zielgeraden entfernt steht, die nun zu ihrer großen Erfolgsbühne wurde. In dem mit 10.000 Euro dotierten Finale – inklusive der Vorläufe und dem B-Finale wurden sogar 28.000 Euro an die Fritz-Brandt-Teilnehmer ausgeschüttet – führte die zweimalige Deutsche Championesse den von ihrem Lebensgefährten Thorsten Tietz trainierten Wallach Rossini Diamant für die Farben der Besitzergemeinschaft von Klaus Bockhoff und Wolfgang May zu einem nie gefährdeten Erfolg. Was natürlich auch daran lag, dass sich einige ihrer vermeintlich gefährlichsten Konkurrenten in der Startphase Galoppaden erlaubten. Dennoch: Ein Rossini Diamant, der mit aktuell zehn Volltreffern hintereinander in dieser Saison tatsächlich weltweit das siegreichste Pferd ist, wäre angesichts dieser Überform wohl auch bei glattem Verlauf kaum von einem seiner Konkurrenten zu schlagen gewesen.
 
Das sah auch seine Meisterfahrerin so. Sarah Kube: „Es war ein ganz leichter Erfolg. Ich musste Rossini Diamant zu keinem Zeitpunkt ernsthaft fordern.“ Der von Andreas und Max Schwarz gezüchtete Wallach, der im Vorlauf bereits die Tagesbestzeit von 13,5/1.900m erzielt hatte und sich im Finale in 17,0/2.020m mit anderthalb Längen Vorsprung begnügte, war eine Klasse für sich. Aus dem zweiten Band heraus erwischte der Fünfjährige einen blendenden Start und lag bereits im ersten Bogen an dritter Position. Sarah Kube begnügte sich aber nicht mit dieser Ausgangslage, sondern sie agierte weiterhin offensiv und hatte mit ihrem Schützling Mitte der Zielgeraden endgültig die Führung erobert. Der Rest war für Rossini Diamant ein Kinderspiel. Der Braune wurde weder durch Key Largo (Hans-Jürgen von Holdt), der in der Außenspur ein anspruchsvolles Pensum ableistete und für das tapfere Laufen mit dem zweiten Geld belohnt wurde, noch durch den stets im Windschatten des Angreifers trabenden Vorjahressieger Tyrolean Dream (Dr. Marie Lindinger) ernsthaft in Bedrängnis gebracht.                
 
Ähnlich souverän wie der Triumph von Rossini Diamant, der bei seinem Sieg im Vorlauf sogar vom Fleck weg die Führung übernommen hatte, waren zuvor auch die anderen Entscheidungen beim Kampf um die Karten für das Finale ausgefallen. Lordano Ass (Simon Siebert) übernahm trotz ungünstiger Startposition eine Runde vor dem Ziel die Spitze. Der Rest war nur noch eine Pflichtaufgabe. Sarah Kube führte ihren zweiten Vorlaufsieger Tragopan Jet mit einem Vorstoß vor den Tribünen auf den Erfolgsweg – der Hengst musste sich lediglich auf den letzten Metern ein wenig strecken. Besonders beeindruckend fiel der Triumph von Mon Etoile und André Pögel aus: Die Stute, die beim Erreichen der ersten Geraden in Front gezogen war, stiefelte neun Längen vor dem abgeschlagenen Rest über die Ziellinie. Das gute Omen bewahrheitete sich aber weder für sie, noch für Lordano Ass und Tragopan Jet. Alle drei Vorlaufsieger kamen im Finale nicht glatt um den Kurs.
 
Das B-Finale, das als abschließendes zwölftes Rennen der mit einem erfreulichen Umsatz belohnten Mariendorfer Veranstaltung ausgetragen wurde, ging ebenfalls an eine Amazone. Nämlich an Katharina Kramer, die Flirty or Dirty zum Sieg finishte. Unterwegs lange Zeit an vierter Stelle postiert, wurde die Stute von ihrer Fahrerin Ende der Gegenseite mächtig auf Touren gebracht. Damit war der Erfolg aber noch lange nicht unter Dach und Fach, denn der vehement attackierende Janus R.A. (Michael Schreiber) erwies sich als hartnäckiger Gegner. Der Fight um den Sieg währte bis zur Ziellinie – in 15,7/2.020m entschied Flirty or Dirty die Schlacht schließlich für sich.      
 
Neben Deutschlands besten Amateurfahrern und ihren vierbeinigen Cracks stellten sich auch die ersten dreijährigen Derby-Hoffnungsträger vor. In den beiden mit jeweils 8.000 Euro Preisgeld dotierten Adbell-Toddington-Trials kam zunächst das schwache Geschlecht an die Reihe und das Rennen wurde – wie nicht anders erwartet – eine Beute der Topfavoritin NYSE aus dem Besitz von Marion Jauß. Die von Roland Hülskath gesteuerte und von Dirk Hafer trainierte Nu-Pagadi-Schwester gestaltete den dritten Auftritt ihrer Laufbahn erneut zu einer One-Horse-Show und gewann in 16,7/1.900m Start bis Ziel. Roland Hülskath: „Die Zeit war absolut nebensächlich, NYSE hätte noch viel schneller laufen können. Sie hat alles ganz von alleine gemacht!“ Der Trial der Hengste und Wallache verlief nach genau dem gleichen Muster, denn Thorsten Tietz und Passe Partout gewannen das Rennen in 15,5/1.900m von der Spitze aus. Der zweitplatzierte Champlain (Maik Esper) hielt lange erfolgreich dagegen, musste dem Sieger dann aber doch mit drei Längen Rückstand klar den Vortritt lassen.    
 
Auch im Rahmenprogramm gab es einige exzellente Leistungen. Die clever aus allem herausgehaltene und erst auf der Zielgeraden gebrachte Hannah (Dennis Spangenberg) siegte zur Quote von 235:10. Als Zweitplatzierter machte der bei 884:10 notierte Dolomit R (Norbert Bierman), für den es auf Place 178:10 gab, den Kohl so richtig fett – die Zweier- und Dreierwette wurde nicht getroffen. Den dicksten Vogel schoss allerdings Constantin Gentz ab, der mit der Riesenaußenseiterin Vaillance Start bis Ziel zur Quote von 386:10 auftrumpfte und ebenfalls für einen Dreierwetten-Jackpot sorgte. 
 
Der Sieg von MaxundAlex (Thorsten Tietz) fiel mit 101:10 ebenfalls dreistellig aus. Der Wallach des Ehepaar Bruns griff aus dem Schlussbogen heraus an und bewies einmal mehr, dass er einen geradezu mörderischen Speed entwickeln kann. Unmittelbar danach gelang Thorsten Tietz der nächste Schlag: Mit dem rasch an die Spitze gezogenen Abano H zwang der Berliner Champion seinen Gegnern das Tempo auf und verwandelte die Prüfung für seinen Schützling zu einer besseren Trainingsarbeit. Am Ende des Fritz-Brandt-Tages durfte sich der Berliner Champion über eine geradezu sensationelle Ausbeute freuen: Thorsten Tietz zeichnete als Trainer für nicht weniger als acht Sieger verantwortlich!  
Gesamtumsatz: 165.083,00 Euro – Bahnumsatz: 59.801,00 Euro - Außenumsatz: 105.282,00 Euro.